TRIEGEL TRIFFT CRANACH – MALEN IM WIDERSTREIT DER ZEITEN Regie: Paul Smaczny (BRD) Dokumentarfilm über die Entstehung eines neuen Mittelteils am Marienaltar für den Naumburger Dom


Kinostart ab 05. Februar 2026: Im Jahr 2020 erhielt der Leipziger Maler Michael Triegel den Auftrag den zerstörten Mittelteil des Marienaltars im Naumburger Dom neuzugestalten. Fast 500 Jahre zuvor war das Original von Lucas Cranach dem protestantischen Bildersturm zum Opfer gefallen, nur die Seitenflügel blieben erhalten. Aufzeichnungen oder Kopien über die ursprüngliche Darstellung der Gottesmutter Maria mit Kind existierten nicht. Der Künstler Michael Triegel soll ein gänzlich neues Altarretabel fertigen – im Einklang mit Cranachs Stil. Darüber berichtet der Dokumentarfilm, indem Atelierbesuche unternommen werden, um dem Künstler bei der Arbeit an seinem Werk zuzuschauen. Es ist sein bisher größtes Werk, dessen Schöpfung sich über mehr als zwei Jahre erstreckt.

Doch nach Vollendung des Werkes äußert sich ein Fachgremium der UNESCO und hegt Bedenken gegen den neuen Altar. Erstmals erlaubt es Michael Triegel, seinen Schaffensprozess aus nächster Nähe zu verfolgen. Über mehrere Jahre begleitete Regisseur Paul Smaczny den Künstler, der ihm nicht nur die Türen zu seinem Atelier öffnete, sondern auch tiefe Einblicke in sein Verständnis von Leben, Kunst und Religion gewährte. Das Ergebnis ist ein nuanciertes Künstlerporträt, das überaus detailliert und erkenntnisreich das Entstehen eines faszinierenden Werkes offenbart.

  Bildhintergrund das Portrait Dietrich Bonhoeffers

Über mehrere Jahre begleitete das Filmteam den Leipziger Maler Michael Triegel bei der Arbeit an einem großen Auftragswerk für das UNESCO-Welterbe Naumburger Dom. Während des Bildersturms, im Jahre 1541, war der evangelische Reformator Nikolaus Medler gewaltsam mit Naumburger Fleischergesellen in den Dom eingedrungen, um die Mitteltafel des Marienaltars von Lucas Cranach d. Ä. im Westchor zu zerstören. Nur die Seitenflügel blieben erhalten. Michael Triegel soll das Altarretabel wieder vervollständigen. Im Jahr 2020 beginnt er mit der Arbeit und gestattet erstmals einem Filmteam, seinen Schaffensprozess aus nächster Nähe und bis zur Fertigstellung zu beobachten.

Zur Filmwebsite:  Weltkino Filmverleih | Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten

Der zentrale Teil des Films spielt in Triegels etwa 80 qm großem Atelier. Dort wechselt er zwischen stillen Beobachtungen des Arbeitsprozesses, die maltechnische Abläufe im Detail nachvollziehbar machen, und reflektierende Passagen. Es entsteht nicht nur eine Werkdokumentation des bisher größten Werks von Michael Triegel, sondern zugleich ein sehr persönliches Porträt, das Einblick in die Innenwelt des Künstlers gewährt – in sein künstlerisches und menschliches Selbstverständnis.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands reist Michael Triegel nach Italien, um die Werke großer Künstler im Original erleben zu dürfen. Die Auseinandersetzung mit seiner wichtigsten Inspirationsquelle ist prägend für sein Werk; seit jeher fühlt er sich nach Italien hingezogen. Der Film begleitet den sonst katholisch Gläubigen auf seinen Künstlerreisen, auf denen er nach Anregungen und Inspiration sucht. Nach Mailand zu Leonardos „Letztem Abendmahl“, nach Florenz, Neapel oder auf Procida, wo die archaische Kraft überlieferter Traditionen bis heute das gesellschaftliche Leben prägt.

Kritisch betrachtet könnte man dem Film auch Amerikafeindlichkeit vorwerfen, zum einen war Amerika als Cranach sein Gemälde schuf auf der Weltkarte gerade erst entdeckt und konnte noch gar keine Rolle spielen in Bezug auf die christliche Dogmenlehre wozu der Marienglaube zählt. Andererseits ist der amtierende Papst Leo XIV. (bürgerlich Robert Francis Prevost) gebürtiger US-Amerikaner, weshalb die filmische Bezugnahme auf den fremden Kontinent während kunsthistorischer Betrachtungen durchaus möglich gewesen wäre. Cranach gilt in den USA als einer der wichtigsten deutschen Meister, dessen Werke durch ihre Präzision und oft „comicartige“ oder plakative Erzählweise geschätzt werden.      

Neben Michael Triegel selbst treten im Film zwei zentrale Bezugspersonen in Erscheinung: seine Tochter Elisabeth und seine Frau Christine, die beide in zahlreichen Werken des Malers immer wieder dargestellt sind. Zu Beginn der Arbeit am Altarbild skizziert Triegel seine Tochter als Modell für die Heilige Maria; später steht seine Frau ihm im Atelier Modell für die Darstellung der Heiligen Anna. 

Über die lange Arbeitsphase hinweg verändern sich Details, neue bildnerische Ideen entstehen im Verlauf des Malens. Die Kamera verfolgt diese Entwicklung unaufdringlich bis zum Abschluss im Atelier – von der Ölvergoldung und dem letzten Pinselstrich, der Signatur, über den Transport und Aufbau im Naumburger Dom bis hin zur feierlichen Einweihung.

Kurz vor Abschluss der Arbeiten, im Juni 2022, äußert ICOMOS, das Fachgremium der UNESCO Bedenken gegen den Altar. Lange bleibt unklar, ob er seinen vorgesehenen Platz im Westchor des Doms behalten darf. Zweimal wird er auf- und wieder abgebaut. Im Juli 2025 schließlich ordnet die UNESCO den endgültigen Abbau an – der Verlust des Welterbetitels steht unausgesprochen im Raum. Der Altar aus dem protestantischen Naumburg findet für zwei Jahre Zuflucht im Vatikan. In Naumburg hofft man derweil auf seine Rückkehr und auf ein Umdenken der Verantwortlichen.

Im Epilog kehrt Triegel noch einmal nach Procida zurück. In einem alten Kerkergebäude findet er Inspiration für ein neues Gemälde – ein Ort, der für ihn sinnbildlich das Spannungsfeld zwischen Gefangensein, der stillen Präsenz von Schönheit und dem Verfall derselben verkörpert. Nach dem Abschluss eines Werkes, das ihn viele Jahre beschäftigt hat, eröffnet sich mit dem Loslassen der Beginn eines neuen Projekts – ein weiterer Aufbruch in ein künstlerisches Abenteuer.

Buch und Regie: Paul Smaczny Kamera: Michel Boomers, Ulf Wogenstein Ton: Christian Carl Schnitt: Dirk Seliger, Pablo Ben Yakov Musik: Kilian Ruben Smaczny Produzent: Paul Smaczny Mit: Michael Triegel, Elisabeth Triegel, Christine Salzmann, Holger Kunde, Frank Zöllner Produktion: Deutschland 2025 Lauflänge: 107 Minuten Kinostart: 5. Februar 2026 Fotos: Emilian Tsubaki

Eine Accentus Music Produktion gefördert durch die Mitteldeutsche Medienförderung MDM.

Siehe auch:  Director’s Note Paul Smaczny – kulturexpress.info

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