Museen Stade: Gekommen, um zu bleiben! Kunsthaus Stade vom 13. Juni - 01. November 2026

Mit „Gekommen, um zu bleiben“ kann im Kunsthaus Stade eine Sammlung in den Blick genommen werden, die über Jahrzehnte im Privaten gewachsen ist. Die sogenannte Sammlung Siegel wird damit erstmals in ihrer ganzen Vielfalt öffentlich vorgestellt. Über 100 Werke der klassischen Moderne, darunter Arbeiten von Lyonel Feininger, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Marc Chagall, zeichnen das Panorama einer bemerkenswerten norddeutschen Privatsammlung nach und geben einen eindrucksvollen Überblick über rund 60 Jahre Kunstentwicklung vom ausgehenden 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert.

 

Alexej von Jawlensky, Variation, 1917/18, Öl auf Karton, Dauerleihgabe der Kleio-Stiftung zur Erhaltung von Kulturwerten an Hansestadt Stade und Museen Stade

Die Sammlung geht zurück auf den gebürtigen Stader Dr. Arnd Siegel und seine Frau Dr. Erika Siegel, die seit den frühen 1980er-Jahren mit großer Leidenschaft Kunst erwarben. Frei von kunsthistorischen Dogmen, aber mit einem ausgeprägten Gespür für Qualität entstand ein Bestand, der heute wie ein persönlicher Wegweiser durch Expressionismus, Bauhaus, Surrealismus und Abstraktion gelesen werden kann. Die Siegels lebten mit der Kunst, sie war Teil ihres Alltags, ihrer Gespräche, ihrer Räume.

 

Ein besonderer Fokus der Ausstellung liegt auf der Sammelpraxis: Dr. Siegel kaufte ausschließlich über Auktionen, vertraute auf fachliche Beratung und legte größten Wert auf konservatorische Sorgfalt, transparente Provenienzen und langfristige Erhaltung. Diese Haltung prägt die Sammlung bis heute. Mit der Gründung der Kleio Stiftung zur Erhaltung von Kulturwerten und der im letzten Jahr erfolgten Übergabe an die Hansestadt Stade und den Museumsverein Stade sorgte er dafür, dass die Werke auch über seinen Tod 2025 hinaus öffentlich zugänglich bleiben. Ein beispielhaftes Modell privater Kulturverantwortung.

 

Christian Rohlfs, Straße bei Soest, 1918, Wassertempera auf Aquarellpapier, Dauerleihgabe der Kleio-Stiftung zur Erhaltung von Kulturwerten an Hansestadt Stade und Museen Stade

Nach einer ersten Ausstellung in Stade im Jahr 2010 wird die Sammlung in ihrer seither weiter gewachsenen und nun abgeschlossenen Gestalt vorgestellt und zugleich werden die Persönlichkeiten hinter ihr in den Blick genommen: Arnd und Erika Siegel sowie Ingrid Ziplies, die den Sammler in späteren Jahren begleitete. Die Präsentation folgt drei miteinander verschränkten Ebenen: der Entwicklung und Profilbildung der Sammlung, der Rolle des Sammlers als Akteur und dem Verständnis von Kunst als lebendigem Erbe, das in die Gesellschaft hineinwirkt.

 

„Gekommen, um zu bleiben“ macht somit sichtbar, wie eine private Leidenschaft zu einem öffentlichen Kulturgut werden kann und dass in einer Sammlung nicht nur Kunst bewahrt, sondern damit einhergehend auch verantwortungsvoll Geschichte betrachtet und auch fortgeschrieben werden kann.