„Neues Bauen neu gedacht“ kam im Laufe des Jahres 2026 schon auf mehreren Veranstaltungen durch die Referentin zur Sprache, so dass sich Inhalte wiederholten, aber nicht langweilig wurden. Denn es gelang der Vortragenden die Sympathien auf sich zu ziehen und für ihr Projekt stark zu machen. Etwas sonniges geht davon aus, wenn sie vom häuslichen Glück in Praunheim erzählt, das sie ihrer Familie zuliebe geschaffen hat. Immer im Kontext zu den baulichen Veränderungen, die anstehen und zum Ziel die Bewohnbarkeit des Hauses mit modernen Ausstattungsmerkmalen haben.
Sie sprach nicht nur anlässlich der ArchitekTour 2026, sondern hielt den oder einen ähnlich gedachten Vortrag auch zum „Tag der Architektur“ der Architektenklammer Hessen, am 25. Juni in Frankfurt-Rödelheim in der Cyriakuskirche zum gleichen Thema.
Dabei stand vor allem das Thema „Wohnen“ im Vordergrund. Die Planer*innen ausgewählter Projekte stellten ihre Arbeiten persönlich vor. Neben Antje Sommerkamp sprach auch der Architekt Stefan Forster über sein Projekt Aufstockungen „Nachverdichtung in der Platensiedlung“.
Das Architekturbüro Stefan Forster war zudem zu Gast auf der ArchiekTour am 09. Juni im Kap Europa. Referentin Carla Roth, Projektarchitektin, sprach zum Thema „Wohnen am Weißen Stein“. Das Neubauvorhaben „Weißer Stein“ liegt am gleichnamigen Platz im Zentrum von Frankfurt-Eschersheim. Mit 20 Wohn- und vier Gewerbeeinheiten leistet das Projekt einen Beitrag zu einer urbanen Mischnutzung. Damit wird deutlich, wie bedeutsam Bauprojekte auch aus einem aktuellen Tagesgeschehen heraus Wirkung haben, gerade wenn sie im regionalen Kontext gesehen werden.

Foto (c) Kulturexpress
Antje Sommerkamp betonte, den aktuellen Vortrag über ihr Wohnhaus nur so lange fortsetzen zu wollen, so lange die Bauarbeiten anstehen. Damit sei das Thema erschöpft. Danach soll wieder Ruhe im umgebauten Haus einkehren, Bewohnbarkeit und Wohnlichkeit sollen überwiegen, schließlich wohnen ihre Kinder im Haus, die ihr zu Hause dringend brauchen und kein Museum mit Besuchern wollen, das von allen Seiten her bestaunt wird. Wenn es nur genug von diesen Ernst-May-Häusern im Frankfurter Stadtraum gäbe, die zur Verfügung stünden, zur Vermietung oder zum Verkauf, dann könnte sich jeder etwas vom Kuchen abschneiden und sein zu Hause einrichten.
Die Architektin hatte ein 100 Jahre altes Reihenhaus von Ernst May aus dem Jahr 1926 in Frankfurt-Praunheim 2024/2025 aufwendig und ressourcenschonend für ihre Familie umgebaut. Diese Arbeiten zogen sich bis in das Jahr 2026 hinein. Das Projekt verbindet die historische Architektur des „Neuen Frankfurt“ mit eigenen Wohnansprüchen. Man kann kritisch über diese Häuser denken, denn sie sind von der Größe nicht gerade üppig gestaltet, es wurde gespart wo es nur ging und nur an das notwendigste gedacht. Sie sind schon sehr stark durch den Bauhausstil und die Reformarchitektur beeinflusst. Einen Hans Poelzig beispielsweise konnte eine solche Architektur nicht beeindrucken, er blieb bei Einfamilienhäusern im Landhausstil, wobei sein Stil unnachahmlich, urheberrechtlich geschützt ist. Das barocke stand Poelzig dabei stets viel näher, was schließlich von je her zu den Tugenden des Deutschen zählte, Barock zu sein. Das steht im Widerspruch zu Ernst Mays Architektur und seinen Nachfolgern.
Doch Antje Sommerkamp ging es von Anfang an um etwas anderes bei ihrer Planung. Es gibt kaum etwas Schöneres auf der Welt, als das eigene Zuhause entwerfen zu dürfen. Ein Grundbedürfnis. In manchen skandinavischen Ländern wird das Einrichten der Wohnung als eigenes Unterrichtsfach für Leben und Praxis gelehrt. In der Praunheimer May-Siedlung wurde der Wunsch zur Wirklichkeit. Die Familie von Antje Sommerkamp lebt seit längerem in Praunheim – sie sind mittlerweile dort ansässig geworden. Die Architektin sah es als ihre persönliche Aufgabe an, Merkmale des Bestandsgebäudes auch nach dem Umbau beizubehalten, was nicht nur aus Gründen des Denkmalschutzes geschah. Dazu gehört der Anbau im Erdgeschoss und die Suche nach Möglichkeiten räumliche Weite im sparsam ausgestatteten Haus zu verwirklichen.
Nichttragende Wände im Erdgeschoss wurden entfernt. Alte Klinkersteine wurden ausgebaut, gereinigt und sichtbar in die Klinkerwand des Gebäudes integriert. Das Material stammte aus den Praunheimer Lehmgruben von 1926. Das Material schafft in seiner Authentizität den direkten Bezug zum Haus und seiner Umgebung. Auch der ursprüngliche Dielenboden wurde freigelegt und aufgearbeitet. In der früheren Küche und im Anbau kam Estrich als Bodenbelag hinzu.
Die durchgängige Farbgebung soll sinnstiftend eingesetzt werden, um alt und neu zu einem Gesamtbild des Hauses zu verbinden. Grundsätzlich soll der ursprüngliche Grundriss des Hauses jedoch erkennbar bleiben. Darauf wurde Wert gelegt. Die Nähe zum „Neuen Bauen” wird besonders in der Küche sichtbar, in der Elemente der Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky aufgegriffen und zeitgemäß interpretiert wurden.
Energetische Maßnahmen sind oft unsichtbar – und doch entscheidend. Im Rahmen der Sanierung wurden Fassade und Dach gedämmt, neue Fenster eingesetzt sowie der Kellerboden erneuert, um ihn von unten dämmen zu können. Die feuchten Kellerwände erhielten eine neue Außenabdichtung und frische Fugen. Der Einbau einer Luftwärmepumpe ist vorbereitet und kann problemlos nachgerüstet werden.
Das Bad im 1. Stock wurde mit einer durchsichtigen Glaswand ausgestattet. Zum einen blieb auf diese Weise der vorgegebene Grundriss erhalten, zum anderen entstand Lichtdurchlässigkeit, was sonst einem zu klein geratenen Bad und angrenzenden Flur die Räumlichkeit genommen hätte.
Stefan Forster GmbH – Nachverdichtung Platensiedlung

Stefan Forster berichtete am 25. Juni persönlich über sein Projekt der Nachverdichtung in der Platensiedlung, was durchaus dazu veranlagt ist Vorbildcharakter auf ähnlich gelagerte Bauvorhaben für das gesamte Bundesgebiet zu nehmen. Dafür setzen sich Architekt und Büro jedenfalls ein, indem er das Bauprojekt Nachverdichtung in der Platensiedlung favorisiert. Die Moderation des abends hatte FAZ-Redakteurin, Mechthild Harting.
Die umfangreiche Verdichtung des nördlichen Teils der Siedlung sah mehrere bauliche Veränderungen der vorhandenen Bauten vor, insbesondre mit Blick auf die Dachaufstockungen der Platensiedlung in Hybridbauweise, Holz und Beton. Stefan Forster berichtete anschaulich von den Hindernissen, mit denen während der Bauphase zu rechnen war. Nicht zuletzt beeinflussten geschönte, vom umherstehenden Sperrmüll befreite Fotos, die Präsentation des Projektes während des Vortrags.
Dächer der bestehenden Siedlungsbauten wurden zurückgebaut und mittels einer modular aufgebauten Holzkonstruktion von drei auf fünf Geschosse aufgestockt. Anschließend wurden die Zeilen um sechsgeschossige Kopfbauten ergänzt, die in Form von Endhäusern, Brückenbauten und Torhäusern aufwarten. Hierdurch entstand eine veränderte Bebauungsstruktur innerhalb der Platensiedlung. Die Kombination von architektonisch-städtebaulichen Strategien zur Aktivierung von Außenräumen und der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für alle Schichten machen den Umbau der Platensiedlung zu einem Modellprojekt nachhaltiger Stadtentwicklung.
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| Carla Roth von der Stefan Forster GmbH referierte am 09. Juni im Kap Europa | |
Durch die Aufstockung und die ergänzenden Neubauten entstehen 681 neue, bezahlbare Wohnungen auf einer bereits erschlossenen Fläche. Die Hälfte der neuen Wohnungen entsteht im geförderten Wohnungsbau, 177 weitere Wohneinheiten sind für Studierende reserviert. Die Wohnraumförderung verteilt sich wiederum auf den ersten und zweiten Förderweg. Die Mischung von frei finanzierten und geförderten Mietwohnungen sowie Studierenden-Appartements ermöglicht eine vielfältige Nachbarschaft. Durch die kommunale Trägerschaft der ABG Frankfurt Holding kann zudem garantiert werden, dass der neu geschaffene Wohnraum dauerhaft bezahlbar bleibt. Durch moderne Verfahren, wie die serielle Vorfertigung der Holzbauten auf dem Bestandsgebäude, werden die Baukosten reduziert.
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Abschließende Diskussionsrunde auf der ArchitekTour 2026 in Frankfurt
Gegen Ende der Veranstaltung am 09. Juni der ArchitekTour im Kap Europa setzte sich eine Diskussionsrunde auf das Podium und diskutierte zum Thema: „So sehen die besten Bauten in ganz Deutschland aus? Der DAM-Preis 2026 – Schönheit und Eleganz? Fehlanzeige!“. Es diskutierten Peter Cachola Schmal, Direktor Deutsches Architekturmuseum und Dr. Matthias Alexander, Chefredakteur Frankfurter Allgemeine Zeitung. Sie lieferten sich den Disput zum Thema und Klaus G. Füner von der Heinze GmbH moderierte. Thematisch bezog sich die Runde auf einen Beitrag, der in der F.A.Z. erschienen war. In dem gefordert wird, die DAM-Preisvergabe kritisch zu betrachten, besonders vor dem Hintergrund, die getroffene Auswahl der Preisträger sei ideologisch einseitig, was sich letztlich immer auf Kosten der Schönheit im eigentlichen Sinne des Wortes und in Bezug auf die Architektur auswirke. Der DAM-Preis sei doch nicht in die Welt gerufen worden, um ökologische Standpunkte zu prämieren, sondern um die besten und schönsten Häuser mit dem Preis auszuzeichnen. Die Antwort lautete, das Anforderungen der Gegenwart gerade beim Bauen eine ökologische und ressourcenschonende Herangehensweise einfordern. Es ist im übrigen die Pflicht, ökologische Kriterien bei der Auswahl im Bauen und den Standards verstärkt anzuwenden. R.M.
Siehe auch: ArchitekTOUR im Juni auf Tour in Frankfurt – Teil 1 – kulturexpress.info






