In Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker und Autor Dr. Andreas Schenk, dem Fotografen Moritz Bernoully und dem Grafiker Elmar Lixenfeld organisiert der Vorstand des BDA Frankfurt die Ausstellung „Spurensuche – Der Architekt Fritz Nathan“ in der BDA Galerie und macht die Persönlichkeit in der App „Frankfurt historisch“ in Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum sichtbar.
Auf der Eröffnung am 26.10.2026 um 19 Uhr anlässlich der Stolpersteinverlegung zur Familie Nathan am 27.10.2026 werden die Auswirkungen von politischem Extremismus auf persönliche und berufliche Existenzen thematisiert. Die Stolpersteine werden am 27.10.2026 um 10:45 Uhr in der Neuen Mainzer Straße 58, dem letzten bekannten Wohnsitz der Familie Nathan, verlegt.
Der BDA Frankfurt übernimmt die Patenschaft für die Stolpersteine, die Fritz Nathan, seiner Frau Lucie und seiner Tochter Doris gewidmet sind.
Die Ausstellung schließt an die 2025 in der BDA Galerie gezeigte Ausstellung über das BDA-Mitglied Fritz Epstein an, die dessen Enkelin angeregt hatte. Nathan und Epstein hatten 1923 gemeinsam in einem Büro gearbeitet. Fritz Nathan ist der Architekt des Neuen Jüdischen Friedhofes und vieler weiterer Bauten. Die Ausstellung zeigt erhaltene, umgebaute und im Krieg verloren gegangene Bauten aus Frankfurt.
Bedingt vor allem durch Kriegszerstörungen sind heute von seinen Gebäuden nur wenige erhalten. Einige davon sind in der Ausstellung mit ihren baulichen Veränderungen fotografisch dokumentiert.
Nathans Werk prägte Frankfurt
Der Architekt Fritz Nathan (1891–1960) wurde in Bingen am Rhein geboren und gründete in Frankfurt nach seinem Studium (1909–1914) an den Technischen Hochschulen Darmstadt und München sowie ersten beruflichen Stationen in Berlin ein eigenes Architekturbüro. Er wurde 1922 in den BDA berufen.
In Frankfurt wandte er sich dem Neuen Bauen zu; seine Architektur entwickelte sich aus der Reformarchitektur zu einem ausdrucksstarken und eigenständigen Werk. Er trug mit dem Entwurf und der Umsetzung des Neuen Jüdischen Friedhofs zum Neuen Frankfurt bei. Mit diesem Hauptwerk zählt er zu den prägenden Architekten dieser Zeit.
Hinwendung zur sachlich geprägten Moderne
Fritz Nathan etablierte sich in Frankfurt zunächst im gehobenen Wohnungsbau. Für Industrielle und Kaufleute entwarf er Villen, die zwischen traditioneller Bauauffassung und moderner Formensprache vermitteln. Charakteristisch ist sein ganzheitlicher Gestaltungsansatz, der Architektur und Innenausstattung eng miteinander verbindet.
Ab Mitte der 1920er-Jahre verlagerte sich Nathans Schwerpunkt auf großstädtische Gewerbe- und Kaufhausbauten, unter anderen für den Warenhausunternehmer Hermann Wronker. Seine Entwürfe folgten nun einer sachlich geprägten Moderne mit klar gegliederter funktionaler Organisation und einer expressiven, eigenständigen Architektursprache.
Zugleich entstanden bedeutende sakrale und soziale Bauten. Herausragend ist der als Einzelkulturdenkmal eingetragene Neue Jüdische Friedhof an der Eckenheimer Landstraße. Die streng gegliederte Anlage mit Trauerhalle, Verwaltungs- und Eingangsbereich gilt als Schlüsselwerk moderner jüdischer Architektur der Weimarer Zeit. Außer in Frankfurt war Nathan überregional in Mannheim, Aschaffenburg, Heidelberg und Luxemburg tätig.
Erfolg in der Emigration
Fritz Nathan emigrierte 1938 mit Frau und Tochter in die Niederlande, ehe er 1940 nach Amerika emigrierte. In den USA übertrug er seine Erfahrung in der Gestaltung monumentaler Gemeinschaftsbauten auf Synagogen und Gemeindezentren. In New York machte er sich als Synagogenarchitekt einen großen Namen.
Fritz Nathan starb 1960 in New York, ohne jemals wieder nach Frankfurt, den Ort seiner prägendsten Schaffensphase, zurückzukehren. Eine umfassende Monografie wurde von Andreas Schenk verfasst und dokumentiert das gesamte Werk Fritz Nathans. Sie erschien 2015 im Birkhäuser Verlag.
BDA-Mitglied bis 1933
Nathan war bis 1933 Mitglied im Bund Deutscher Architekten (BDA). Die Satzung des BDA wurde im Herbst 1933 nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten geändert. Der BDA sollte seitdem nur noch aus Mitgliedern „arischer Abstammung“ bestehen.
Als Jude wurde Fritz Nathan aus der Bundesliste der Mitglieder „gelöscht“. Die Lebenssituation für Jüdinnen und Juden in Deutschland verschlechterte sich schnell drastisch. Er und seine Familie wurden so zu Flüchtlingen, während viele andere seiner Familienmitglieder von den Nationalsozialisten ermordet wurden.
Die Rolle und das Wirken des BDA im Nationalsozialismus wurden durch den BDA Bund in einer Chronik aufgearbeitet. Der BDA hatte 1930 in Frankfurt 41 Mitglieder, davon vermutlich acht jüdische Kollegen.
Aktueller denn je
Vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen stellt sich die Frage, was passiert, wenn Menschen aufgrund politischer Veränderungen von ihrer beruflichen Tätigkeit ausgeschlossen oder sogar von ihrem Lebensort vertrieben werden. In Architekturbüros Hessens und Deutschlands gestalten viele Kolleginnen und Kollegen aus allen Nationen, mit unterschiedlicher Herkunft und Religion gemeinsam die gebaute Welt. Diese Diversität ist ein hohes Gut, das nicht durch politische Polarisierung in Gefahr gebracht werden darf. Auf diese Aktualität bezieht sich die Ausstellung, indem sie auf die historischen Geschehnisse um 1933 zurückblickt.
Meldung: Moritz Kölling und Kristian Hüsen, BDA Frankfurt
»Spurensuche – Der Architekt Fritz Nathan«
Ausstellung bis Januar 2027 im Schaufenster des BDA Hessen,
Braubachstraße 3, 60311 Frankfurt am Main
Eröffnung am 26. Oktober 2026, 19 Uhr.
Es sprechen: Moritz Kölling (Landesvorsitzender BDA Hessen), Dr. Andreas Schenk (Kunsthistoriker und Autor), Kristian Hüsen (Vorstand BDA Frankfurt)
Stolpersteinverlegung: 27. Oktober 2026, 10:45 Uhr, Neue Mainzer Straße 58, Frankfurt am Main
Organisiert wird die Ausstellung vom Vorstand des BDA Frankfurt gemeinsam mit Dr. Andreas Schenk, dem Fotografen Moritz Bernoully und dem Grafiker Elmar Lixenfeld. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum wird Fritz Nathan zudem in der Frankfurt History App sichtbar gemacht.
Weitere Informationen zur Ausstellung:


