farbfilm Verleih                       Spieldauer:  98 Min.                     Kinostart 26. Mai 2011

UNTER KONTROLLE ist ein Film von Volker Sattel, Schulungsfilm in Bezug auf Atomkraftwerke. Er zeigt im breiten Cinemascope Format mit außergewöhnlicher Kraft und Klarheit den Mensch als irritierendes Fremdwesen in einer von ihm selbst geschaffenen Welt. Die Kamera erfaßt Arbeitsplätze, an denen scheinbar selbstverständlich mit der gefährlichsten Materie der Welt umgegangen wird. Es sind Bilder, die die monströse Technik sichtbar machen – zwischen Science-Fiction und alltäglichem Wahnsinn. Dabei schafft der Film die Transformation von der einstigen Utopie der „friedlichen Nutzung“ der Atomkraft über das Heute ins Morgen.

farbfilm Verleih                   Spieldauer:  98 Minuten                Kinostart 26. Mai 2011

UNTER KONTROLLE ist ein Film von Volker Sattel, Schulungsfilm in Bezug auf Atomkraftwerke. Er zeigt im breiten Cinemascope Format mit außergewöhnlicher Kraft und Klarheit den Mensch als irritierendes Fremdwesen in einer von ihm selbst geschaffenen Welt. Die Kamera erfaßt Arbeitsplätze, an denen scheinbar selbstverständlich mit der gefährlichsten Materie der Welt umgegangen wird. Es sind Bilder, die die monströse Technik sichtbar machen – zwischen Science-Fiction und alltäglichem Wahnsinn. Dabei schafft der Film die Transformation von der einstigen Utopie der „friedlichen Nutzung“ der Atomkraft über das Heute ins Morgen. Werden wir tatsächlich so einfach aus dieser Technologie aussteigen können? Welches Erbe hinterlassen wir künftigen Generationen? Die Diskussion wird nicht müde, sie fängt gerade erst an. 

 

„Der Film ist der gleiche. Aber die Lesart ist nach Fukushima eine andere.“    Volker Sattel

 

Zum Trailer:   UNTER KONTROLLE

  www.unterkontrolle-film.de

 

Crew
Regie, Buch, Recherche:  Volker Sattel
in Zusammenarbeit mit Stefan Stefanescu
Kamera:  Volker Sattel
Kameraassistenz:  Thilo Schmidt
Direktion:  Nikolaus Woernle, Filipp Forberg
Tongestaltung:  Tim Elzer, Nikolaus Woernle
Mischung:  Ansgar Frerich
Schnitt:  Stephan Krumbiegel,
Volker Sattel
Dramaturg: Beratung Stefanie Gaus
Produktionsleitung:  Dorothea Seeger
Produktionsassistenz:  Katharina Bergfeld
Produzenten:  Susann Schimk, Jörg Trentmann
Redaktion:  Jutta Krug (WDR), Sabine Rollberg (ARTE)

 

 

 

 

Technische Details
Länge 98 min
Format 35 mm, Cinemascope (1 : 2,40)

Farbe, 25 fps
Sound Dolby Digital 5.1

 

 

Der Film betrachtet den Alltag im Atomkraftwerk, die Menschen und ihre Bauten und das, was passiert, wenn Anlagen nicht mehr benötigt werden. In ruhigen Einstellungen präsentieren sich Außen- und Innenansichten deutscher und österreichischer Atomkraftwerke, Schulungszentren, Forschungsstätten, Behörden, Atommülllager, von der Vogelperspektive bis zum kleinsten Detail: Gebäude, Pumpen, Röhren, Druckgefäße, Verkabelungen, Armaturen, blinkende Anzeigen, Schalttafeln, Brennstäbe, Reaktoren, Büros, Flure oder Kontrollräume, deren 1970er- und 1980er-Jahre-Ästhetik an alte Science-Fiction- Filme und deren Raumschiffe erinnert.

Keines dieser Kraftwerke ist jünger als 20 Jahre. Die Ästhetik einer Technik des vergangenen 20. Jahrhunderts wird in eindringlichen Bildern gezeigt, ohne vordergründig zu werten. Sie führen den ungeheuren Aufwand vor, mit dem versucht wird, die Kernenergie zu kontrollieren – Bilder, die gleichermaßen bedrohlich wie faszinierend wirken. Kontrolle und Sicherheit, das wird deutlich, sind die beherrschenden Schlagwörter einer nicht zu beherrschenden Atomtechnologie.

Der Film verzichtet auf jeglichen Kommentar, allein die Menschen, deren Arbeitsalltag das Atomkraftwerk und die Atomenergie ist, kommen zu Wort: Techniker und Ingenieure, Strahlenschützer und Schulungsleiter, Pressesprecher und Behördenvertreter, Wissenschaftler und Risikoforscher. Nur sie und die Geräusche der Orte, an denen gedreht wurde, begleiten den Film. Der Zuschauer wird in eine hermetische Welt eingeführt.

Die scheinbare Idylle des alltäglichen Geschäfts Blicke auf Atomkraftwerke in ländlichen Panoramen – darunter das in den 1970er Jahren projektierte Atomkraftwerk Grohnde. Hinter den Einfamilienhäusern und Garagen der Gemeinde Emmertal erheben sich die Kühltürme: Bilder einer ruhigen und beschaulichen Idylle deutscher Provinz. Der Pressesprecher des Kernkraftwerks präsentiert in einem Modell den kerntechnischen Bereich der Anlage: Nach 25 Jahren seien sie immer noch auf dem aktuellsten Stand. An der Außenwand der Kühltürme sind Bauarbeiter mit der Ausbesserung des bröckelnden Betons beschäftigt. Eine Vernebelungsanlage, die vor Flugzeugkollisionen schützen soll, wird präsentiert. Sie könne, so der Sprecher, das gesamte Emmertal auf einer Höhe von 300 Metern für zehn bis 15 Minuten komplett im Nebel versinken lassen.

Das Kernkraftwerk ist eine Welt für sich, in morgendlichen Besprechungen versammeln sich die Mitarbeiter – es sind sicher an die 40 und ausschließlich Männer – um einen langen Tisch. Mit einer für Außenstehende unverständlichen Sprache werden Meldungen verlesen: „TF60 T1 Abfall des Messwert ca. 1K, innerhalb drei Tagen, ohne Auftrag LTN“.

 

  Trainieren für den Ernstfall
Alles dreht sich um Kontrolle – besonders im Simulatorzentrum der Kraftwerksschule Essen, Nordrhein-Westfalen. Der Direktor des Zentrums verweist auf die riesige Reaktorschutztafel an der Wand – Zeiger, Lampen und Anzeigen signalisieren hier, ob sich wesentliche Parameter des Reaktors in einen unguten Bereich bewegen. Im äußersten Fall führt das zur Reaktorschnellabschaltung. Wesentliche Fehlerquelle sei nun mal der Mensch. Der Direktor ist überzeugt von der Sicherheit der Anlagen, denn alle Systeme seien mehrfach vorhanden: „Die Wahrscheinlichkeit, dass das gesamte System versagt, […] liegt bei zehn hoch minus sieben, zehn hoch minus acht Eintrittswahrscheinlichkeit. Im normalen Sprachgebrauch würde man sagen: nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen.“ Die Reaktormannschaften fast 5 aller deutschen Atomkraftwerke proben hier den Ernstfall – von der kleinen Betriebsstörung bis zum GAU.

 

Risikoverwaltung
Kernkraftwerk neben Bauernhausidylle – Zwentendorf in Niederösterreich. Zwei ältere Männer erzählen, wie sie den Tag der Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks erlebten; der Chef hatte im Falle eines Sieges Sekt in Aussicht gestellt, doch am Ende stand es 49,5 zu 50,5 Prozent für die Gegner des Werkes. Kein Sekt, und die Anlage wurde letztlich zu einem Eins-zu-eins-Modell und Ersatzteillager für die deutschen Siedewasserreaktoren. „Nichtsdestotrotz haben wir weiterhin ein Kernkraftwerk, wir können stolz behaupten, vielleicht das sicherste der Welt“ kommentiert Herr Fleischer, einer der beiden.

Revision im Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern – der Brennstoff für das nächste Jahr wird eingeladen: der Reaktor wird abgeschaltet, der Reaktordruckbehälter geöffnet und die einzelnen Brennelemente umgesetzt bzw. abgebrannte ausgeladen und neue in den Kern eingesetzt. Zwischen den Arbeitern und der radioaktiven Strahlung befinden sich minimal zwei Meter Wasser.

Der Alltag in einem Atomkraftwerk ist bestimmt vom Schutz vor Strahlung: Die Mitarbeiter, die mit Strahlung in Kontakt kommen könnten, legen während der Arbeit ihre gesamte Alltagskleidung ab – inklusive der Unterwäsche – und tragen die gelbe Kraftwerkskleidung, die in einer „heißen“ Wäscherei von möglicher Kontamination gereinigt wird: Unterhemd, Unterhose, Arbeitsanzug, Schuhe, Helm …

Dekontaminationsschleusen, durch die die Mitarbeiter gehen, messen mögliche radioaktive Verunreinigungen; Strahlenschützer achten auf die Einhaltung der Tages- und Jahresgrenzwerte der einzelnen Personen – die Bedrohlichkeit der doch so abstrakten Radioaktivität. Männer in blauen Kitteln und Badeschlappen laufen die Gänge entlang, essen in der Kantine zu Mittag – eine reine Männerwelt. Poster und Urlaubspostkarten an den Wänden verweisen auf die Welt draußen.

 

Das Geschäft der Manager
Szenenwechsel: Ein Nuklearforensiker beschreibt die Internationale Atomenergie- Organisation (IAEO) in Wien: „Die IAEO führt eine Datenbank, wo alle Fälle des illegalen Umgangs mit nuklearem und radioaktivem Material registriert werden.“ Bis heute seien es etwa 1.600 Fälle, darunter so kuriose wie der Diebstahl von radioaktiv kontaminiertem Material aus einer Wiederaufarbeitungsanlage, das dann in einer Wohnung eingelagert worden sei. Acht Kilogramm Plutonium oder 25 Kilogramm hochangereichertes Uran reichten zum Bau einer Atombombe aus, so der Vertreter des Direktors der IAEO.

Und wer beaufsichtigt Kernkraftwerke? Die IAEO mache es nicht, meint der Leiter des Instituts für Risikoforschung an der Universität Wien. Die IAEO publiziere Ergebnisse nur mit Zustimmung der Kernkraftwerke, sie gebe Empfehlungen ab, ohne verbindliche Wirkung. Er verweist auf die Gefährlichkeit von Plutonium: Mit einem Gramm könne man theoretisch einer Million Menschen Lungenkrebs verschaffen und mit ein paar Kilogramm der ganzen Menschheit.

Man sieht ein repräsentatives gläsernes Gebäude, im Hintergrund die Stadtsilhouette von Dresden: Das Deutsche Atomforum feiert sich und seinen 50. Jahrestag im Internationalen Kongresszentrum in Dresden. Es spielt das Orchester „Camerata Nucleare“. Geschäftsleute beim Small Talk an Stehtischen und Infoständen der Atomindustrie

 

Was übrig bleibt
Zur Musik des „Camerata Nucleare“ beginnt eine lange Fahrt einen Bergwerksschacht hinab. Blicke in graue Stollengänge zeigen gelbe Gefäße mit der Aufschrift „Vorsicht! Erhöhte Strahlung“ – das Endlager Morsleben, Sachsen-Anhalt, in dem schwach- und mittelradioaktive Abfälle lagern. Am Ende soll hier alles mit Salzbeton verfüllt werden. „Wir müssen ja die Langzeitsicherheit nachweisen„, sagt der Pressesprecher. „Und das müssen wir eben nachträglich machen, weil man das vorher nicht gemacht hatte.“

 

Das lange Ende der Atomkraft
Erneut Betongebäude, Hallen, Zäune, eine idyllische Lage am Fluss, aber die Harmonie täuscht – das Eingangstor verschlossen, der Eingang verrammelt, die Wände in keinem guten Zustand, die Lautsprecher auf dem Gelände von Moosflechten bedeckt. Mitten auf dem Gelände bunte Tierfiguren und Karussells, aus den Lautsprechern tönt scheppernd Musik. Das Kraftwerk „Schneller Brüter“ in Kalkar, Nordrhein-Westfalen, ging nie in Betrieb. Mitten in seine Fertigstellung platzte Tschernobyl. Nach mehrfachem Hin und Her folgte das Aus. Die beweglichen Teile der Anlagen wurden in die Sowjetunion verkauft. In einem der ehemaligen Kühltürme kreischen heute Kinder vor Vergnügen und drehen sich in dem riesigen Kettenkarussell.

Das jüngste Atomkraftwerk, das in Deutschland gebaut wurde, ist seit seinem Baustopp 1990 eine beeindruckende Betonruine auf grüner Wiese: Das unvollendet gebliebene Kernkraftwerk Stendal, Sachsen-Anhalt. Mit schwerem Gerät und Schlagbohrern wird hier der Beton zerhackt und Stahl zerkleinert. Das Ende einer Anlage.

 

Der Dokumentarfilm feierte seine Weltpremiere im Forum der Berlinale 2011 und fand bereits dort große Beachtung bei Presse und Publikum. UNTER KONTROLLE eröffnet das 26. DOK.fest München 2011. Außerdem ist der Film auf weiteren nationalen Festivals u.a. in Hamburg, Osnabrück und Schwerin zu sehen sowie auf verschiedenen internationalen Festivals.

Eine Produktion von credo:film in Koproduktion mit WDR und ARTE gefördert durch das Kuratorium junger deutscher Film, das Gerd-Ruge-Stipendium, die Filmstiftung NRW und den deutschen Filmförderfonds.

 

 

 

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