Zu schön um wahr zu sein, denn was Madame Claire hier fabriziert, ist kompletter Mist. Wer verkauft seine besten Stücke einfach so zum Spottpreis? In einer französischen Villa scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, so viele Antiquitäten sind im Haus versammlt. Vor allem die üppige Puppensammlung beeindruckt nicht nur Zuschauer. Sie haben es besonders Madame Claire angetan, was ihre Erinnerungen angeht. Sie will sie, die Erinnerungen, aber auf der Stelle los werden. Was erzählt uns diese Geschichte? Natürlich ist es französische Komödie, die hier zum besten gegeben wurde und oft etwas zügellos wirkt. Zugleich ist das Ganze eine Hommage an die große Catherine Deneuve, die in diesem Sammelsurium angehäufter Schätze noch einmal so richtig brilliert als liebgewordene Diva.

Filmposter

An einem wunderschönen Sommertag wacht in einem kleinen französischen Dorf Madame Claire (Catherine Deneuve) auf – überzeugt davon, dass heute ihr letzter Tag auf Erden sei. Claire beschließt, ihr gesamtes Hab und Gut im Garten ihres großzügigen Landhauses zu verkaufen, von wertvollen Uhren, lieb gewonnenen Antiquitäten bis hin zu handgefertigten Unikaten. Wenn sich schon ihre Erinnerungen mehr und mehr verflüchtigen, benötigt Claire auch ihre ans Herz gewachsenen Möbel und Sammlerstücke
nicht mehr.

Das ganze Dorf kommt bei dem außergewöhnlichen Flohmarkt auf seine Kosten. Von einer alten Freundin alarmiert, kehrt Claires Tochter Marie (Chiara Mastroianni) zum ersten Mal nach 20 Jahren in ihr Zuhause zurück. Doch sie scheint nicht das einzige Gespenst aus der Vergangenheit zu sein, das die exzentrische Dame erneut aufspürt. Mit jeder Erinnerung begegnet Claire nicht nur einem Echo ihrer Jugend und ihrer Liebhaber, sondern tragischen Geheimnissen, unausgesprochenen Differenzen und alten Familiendramen, die erneut zum Leben erweckt werden – auf einer aufregenden Reise ins Herz der vergangenen Zeit.

Mit betörender Eleganz und anmutiger Sinnlichkeit erobert die legendäre Grande Dame des französischen Kinos, Catherine Deneuve, an der Seite ihrer Tochter Chiara Mastroianni in DER FLOHMARKT VON MADAME CLAIRE die Kinoleinwand zurück. Der Regisseurin Julie Bertuccelli gelingt eine einfühlsame Momentaufnahme überraschend lebendiger Erinnerungen.

Das dramatische Ende der Geschichte soll hier nicht vorweggenommen werden. Gibt aber zu Denken, wie Geschichte zu einer Illusion zerplatzt. Zugleich ein Hinweis an den Zuschauer, Abläufe und Hintergründe nicht auf die Waagschale zu werfen. Französische Komödie hat eigene Klischees. Hier der Liebhaber, dort die Grand Dame, insgesamt ein abwechslungsreiches Zusammenspiel, damit nur nicht die verdammte Langeweile aufkommt. Über die Konsequenzen ihres Tuns kümmert sich niemand. Die erzürnten Verwandten schauen bloß machtlos dem Treiben zu, einer von allen guten Geistern verlassenen Madame Claire. Sich einzumischen bringt zwar Aufregung, verpufft aber sogleich, so als wäre letztlich das Märchen der Gebrüder Grimm “Die Goldene Gans” oder “Schwan kleb an” von Ludwig Bechstein der Leitfaden in der Geschichte.

Als ein kleines Mädchen auftaucht, wachen zarte Erinnerungen auf, das könnte Madame Claire als Kind selbst gewesen sein. Elegische Rückblicke wie in “Wilde Erdbeeren” (1957) von Ingvar Bergmann werden bei Madame Claire jedoch nicht geboten. So anspruchsvoll ist DER FLOHMARKT VON FRAU CLAIRE einfach nicht. Daran ist die französische Komödie schuld, die vor lauter Übermut und Kurzweil gern übertreibt.   

Besetzung

Claire Darling – Catherine Deneuve, Alice Taglioni
Marie Darling – Chiara Mastroianni, Colomba Giovanni, Mona Goinard
Amir – Samir Guesmi, Amine Mejri
Martine – Laure Calamy, Lewine Weber
Claude Darling – Olivier Rabourdin
Priester Georges – Johan Leysen, Julien Chavrial
Martin Darling – Simon Thomas, Joseph Flammer
Junge Helfer – Valentin Dériaud, Yasin Houicha, Morgan Niquet, Jérémy Beuvin

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