geboren 1980 in Mainz. Vor seinem Langfilmdebüt CLEO (2019) inszenierte er u.a. die Kurzfilme NASHORN IM GALOPP (2013) und BERLIN METANOIA (2016), die beide in der Sektion Generation 14plus Premiere feierten. Mit dem Kurzfilm NUN SEHEN SIE FOLGENDES (2011) gewann er den deutschen Kurzfilmpreis Lola. Insgesamt gewann er mit seinen Kurzfilmen über 100 internationale Festival- und Filmpreise. 2018 gründete er zusammen mit der Regisseurin Julia von Heinz, dem Regisseur David Wnendt und dem Produzenten Fabian Gasmia die Produktionsfirma Seven Elephants GmbH. Bei CLEO (2019) führte er erstmals Regie bei einem Spielfilm. Derzeit arbeitet er an dem Sci-Fi-Film REBEL GIRL.

Interview

Ihre drei Kurzfilme NASHORN IM GALOPP, FOREVER OVER und BERLIN METANOIA spielen nicht nur in Berlin, sondern setzten sich auch mit der Stadt auseinander. Auch in Ihrem ersten Langfilm hat Berlin nun eine Hauptrolle. Inwiefern knüpft CLEO an die vorangegangenen Kurzfilme an?

Man kann sagen, dass die drei Kurzfilme eine Art Vorübung für den Langfilm waren. Jeder Kurzfilm hat einen bestimmten Aspekt ausgeleuchtet und getestet. NASHORN IM GALOPP war von der visuellen und spielerischen Ebene her sehr wichtig. Und die Idee, dass die Stadt eine Seele hat, wurde hier schon mal thematisiert. Bei FOREVER OVER ging es darum, Beziehungen auszuprobieren und das szenische Arbeiten zu vertiefen. Und BERLIN METANOIA war ein wilder Mix aus verschiedenen, verrückten Einfällen. Der Film entstand parallel zum Drehbuch von CLEO und hier ging es ganz konkret darum, Ideen für den Langfilm zu testen. Im ursprünglichen Drehbuch von CLEO kam es beispielsweise zu einer Zusammenkunft zwischen Cleo und einem echten Bären. Diese Szene haben wir in BERLIN METANOIA dann ausprobiert und schnell gemerkt, dass es doch ein wenig zu kompliziert ist. Insofern waren die drei Kurzfilme eine sehr wichtige Vorarbeit für den Langfilm.

Das Besondere an Berlin sei die Magie, die Stadt habe eine Seele heißt es im Film. Worin besteht diese Magie – und wie fangen Sie die in CLEO ein?

Seitdem ich hier wohne, habe ich immer dieses Gefühl, dass es eine bestimmte Verbindung gibt und die Stadt ganz eigen ist. Berlin hat eine ganz eigene und besondere Geschichte erlebt und es ging mir darum, einen Film zu machen, den nur diese Stadt erzählen kann. Berlin hat es in den letzten 20 Jahren geschafft, trotz traumatisierenden Erfahrungen in der Vergangenheit – von den Bomben über der Stadt bis hin zum Mauerbau, der unzählige Familien getrennt hat, – zum Symbol von Freiheit, Leichtigkeit und Kreativität zu werden. Und so kam die Frage: Wie kann man das auf einen Film übertragen? Auf der einen Seite geht es in CLEO um tragische und traumatische Erleb- nisse, um eine gewisse Melancholie – und trotzdem ist es teilweise sehr heiter und leicht erzählt. Der Mix ist vielleicht ungewöhnlich, aber er passt zu dieser Stadt am besten.

Gemeinsam mit CLEO tauchen wir in die Stadt und ihre Geheimnisse ein. Sie erwecken viele Mythen und urbane Legenden zum Leben. Was war Ihnen dabei wichtig?

Ich habe über Jahre gesammelt, recherchiert und gesucht. Mir war es wichtig, den Zuschauern ein Berlin nahe zu bringen, das sie so vielleicht noch nicht gesehen haben, ein Berlin fernab von Berghain und Brandenburger Tor. Ich wollte eigene Geschichten und Mythen der Stadt erzählen, weil all diese Geschichten Berlin ausmachen! Zum Beispiel die Geschichte der Gebrüder Sass, die so typisch berlinerisch ist und trotzdem relativ unbekannt. Das greife ich im Film entsprechend auf, dort fordern die Brüder ja mehr Bekanntheit für ihre Geschichte. Natürlich springen wir mit CLEO auch in die eine oder andere Legende, aber das meiste ist sehr sorgfältig recherchiert und auch komplett wahr. Manche Sachen sind so verrückt und klingen deshalb wie ausgedacht. Zum Beispiel die Geschichte des Teufelsbergs. Welche Stadt hat sowas? Eine Wehrtechnische Universität aus der NS-Zeit, darauf ein Berg aus Trümmern der gesamten Stadt, auf die nach dem Krieg eine Abhöranlage gebaut wurde, die dann selbst zur Ruine wird. Das sind einfach alles Geschichten, die es nur in Berlin gibt.

Marleen Lohse hat bereits in Ihren Kurzfilmen mitgespielt. Stand von Anfang an fest, dass sie Cleo sein wird?

Ja, das war von Anfang an sicher, auch wenn die Figur erstmal alles Mögliche war, bis sie zur jetzigen Cleo wurde. Marleen hat sogar zusammen mit mir und Folke Renken, der im Film den Historiker spielt, zu Beginn die ersten Ideen des Films entwickelt. Wir haben auch gemeinsam die ersten Schritte in Richtung Drehbuch unternommen. Als es dann drehbuchtechnisch in die Tiefe ging, haben wir aber gemerkt, dass mehr Erfahrung benötigt wird. So kam dann Stefanie Ren als Drehbuchautorin hinzu.

Wie sind Sie bei der Besetzung der anderen Hauptrollen vorgegangen?

Es war eine bunte Mischung. Es gab Rollen, die wie bei Marleen schon von Anfang an feststanden und mit Schauspielern besetzt wurden, die ich schon lange kenne. Aber es gab auch das klassische Casting. Wir haben Schauspieler eingeladen und Konstellationen beobachtet: Wer passt zu wem? Gerade bei der Rolle des Paul haben wir in alle Richtungen geschaut. Jeremy Mockridge war eigentlich für eine Nebenrolle vorgesehen, hat uns dann aber durch seine frische Art alle so überzeugt, dass er schließlich der perfekte Paul war.

Die Musik spielt eine wichtige Rolle in CLEO. Wie sind Sie an die Auswahl der Songs herangegangen und wie entstand die Idee, Marleen zwei Songs selbst singen zu lassen?

Der Komponist Johannes Repka war schon in der Drehbuchphase involviert und wir haben sehr früh mit den ersten Überlegungen begonnen. Ich wusste, dass ich mit Marleen eine Schauspielerin habe, die eine tolle Gesangsstimme hat. Sie hat dann zuerst den von Johannes Repka komponierten Titelsong „The only thing I know“ aufgenommen. Weil das so gut funktioniert hat, haben wir uns entschieden, die Coverversion von „Wonderful Life“ auch von Marleen singen zu lassen.

CLEO wurde von der Wim Wenders Stiftung gefördert. Inwieweit war Wim Wenders in die Entstehung des Films involviert?

Das Drehbuch wurde in seinem Anfangsstadium von der Wim Wenders Stiftung finanziert und das war unser Startschuss für das Projekt. Denn ich habe vorher Kurzfilme gemacht und es ist jetzt nicht so, dass man sich davon ein Jahr Auszeit nehmen kann, um ein Drehbuch zu schreiben.

Man ist auf Förderung angewiesen und Wim Wenders war der Erste, der gesagt hat „Ich vertrau dem jetzt und lass den mal machen…“ Denn die Ideen, mit denen wir uns beworben hatten, waren sehr weit entfernt von dem, was der Film jetzt geworden ist. Das heißt, die damalige Zusage basierte auf Vertrauen. Wir haben uns danach noch ein paar Mal getroffen und über das Drehbuch, später auch über den Schnitt gesprochen. Besonders wertvoll fand ich die stetige Erinnerung von Wim Wenders, dass ich meinen eigenen Film machen muss und dass es erstmal darum geht, meine eigene Stimme zu finden. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Sie haben mit der Regisseurin Julia von Heinz, dem Regisseur David Wnendt und Ihrem Produzenten Fabian Gasmia letztes Jahr eine Produktionsfirma gegründet, die Seven Elephants. Was hat Sie zu diesem Schritt bewegt – und was sind die gemeinsamen Ziele?

Die Arbeit mit dem Produzenten Fabian Gasmia an CLEO war für mich ein Arbeiten unter besten Bedingungen. Wir haben in unserer Zusammenarbeit die idealen Voraussetzungen geschaffen, um kreative Entfaltung mit der optimalen Ausnutzung des Budgets zu verbinden. Wir betrachten CLEO beide als gemeinsames Baby, als Herzensprojekt. Und es gab keine einzige Situation, in der es eine Kluft gegeben hätte zwischen Produktion und Regie. Ein solches Arbeiten wünsche ich mir für alle weiteren Filme. Ich möchte weiterhin künstlerische und kreative Freiheit haben und natürlich möchte ich trotzdem verstehen, wie man mit einem Filmbudget umzugehen hat. Mit diesem Anliegen haben wir vier uns zusammengefunden. Wir sind uns einig in unserem Ziel, dass wir alle gerne Kino für die Sinne machen wollen. Das heißt Kino, das emotional ist, Kino das visuell ist, Kino, das Spaß macht, aber auch zum Denken anregt. Und wir geben alles für unsere Filme.

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