Vom 5. bis zum 7. September laden über 40 Galerien und 24 Offspaces im Rahmen der „Frankfurt Art Experience“ zum 31. Saisonstart ein und zeigen wieder einmal, welch vielfältiges Angebot moderner und zeitgenössischer Kunst sich in Frankfurt an einem Wochenende entdecken lässt.
Der diesjährige Saisonstart ist mit 65 Kunstorten so umfangreich wie noch nie. Die gebotene künstlerische Vielfalt erstreckt sich dabei von Malerei, Arbeiten auf Papier und Fotografie bis hin zu skulpturaler und raumgreifender Kunst. Zahlreiche Jubiläen belegen die erfolgreiche und nachhaltige Arbeit der etablierten Frankfurter Galerien – gefeiert werden 30 Jahre Galerie Barbara von Stechow, 25 Jahre Galerie am Park, 20 Jahre Christel Wagner Galerie und 10 Jahre Rundgænger. Zugleich bereichern neue Akteure die Szene: Mit der Galerie 3AP, der Bode Galerie und Schugar Rotariu nehmen gleich drei neue Frankfurter Galerien teil. Ergänzt wird das Programm durch Pop-up-Ausstellungen von Galerien aus Friedberg, Offenbach, Berlin und Paris.
Bei insgesamt 40 Art-Walks können Kunstinteressierte das gesamte Wochenende lang an Führungen durch die vielfältigen und unterschiedlichen Galerien und Offspaces in Frankfurt teilnehmen.
Einen Schatten auf die Vorbereitung des diesjährigen Saisonstarts wirft der plötzliche, unerwartete Tod von Anita Beckers. Die prägende Persönlichkeit der Frankfurter Galerienszene, die sich mit Weitblick, Charisma und einem außergewöhnlichen Netzwerk unermüdlich für die Sichtbarkeit des Kunststandorts eingesetzt hat, ist am 31. Juli verstorben. Ihr Engagement und ihre Präsenz werden fehlen – in Frankfurt und darüber hinaus. Ihre Galerie gedenkt mit der diesjährigen Ausstellung „Much love Anita“ ihrer Gründerin, die als leidenschaftliche Förderin zeitgenössischer Kunst das Frankfurter Kulturleben über Jahrzehnte prägte.
Unterstützt wird das Galerienwochenende vom langjährigen Medienpartner Monopol sowie von der Stadt Frankfurt, die das Projekt in diesem Jahr mit 65.000 Euro fördert. Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig betont die Anziehungskraft des Frankfurter Galeriestandorts:
„Das kontinuierliche Engagement der Stadt Frankfurt für die Frankfurt Art Experience zahlt sich Jahr für Jahr mehr aus. Der Saisonstart hat sich über die Jahre zu einer starken Plattform entwickelt, die von Offspaces über Pop-up-Locations bis hin zu etablierten Galerien reicht. Noch nie war der Saisonstart so facettenreich: 65 Kunststandorte öffnen in diesem Jahr ihre Türen – begleitet von 40 geführten Art Walks. Dieses Septemberwochenende steht sinnbildlich für die Lebendigkeit und Kreativität, die Frankfurt seit Jahrzehnten prägt.“
NEUE GALERIEN IN FRANKFURT
In ihrer künstlerischen Praxis erforscht Nadine Karl die vielschichtige Verflechtung von Zeitlichkeit und Fiktion (Galerie 3AP). Eine Neugründung in Frankfurt ist die Bode Galerie, die im Bahnhofsviertel an zwei Standorten in der Kaiserstrasse und der Gutleutstrasse den südkoreanischen Maler Woo Jong Taek zeigt. Ein weiterer vielversprechender Neuzugang ist die Galerie Schugar Rotariu mit Standorten in Frankfurt und Cluj (Rumänien), die einen besonderen Fokus auf zeitgenössische osteuropäische Künstlerinnen und Künstler legt. Die Galeristinnen zeigen zu ihrem ersten Saisonstart George Bularca Negru, der 1995 in Rumänien geboren wurde, in Spanien aufgewachsen ist und nach Central Saint Martins nun an der Städelschule studiert. Hier wird es Performance, Skulptur und Papierarbeiten zu sehen geben. Die Galerie 3AP in der Brückenstrasse in Sachsenhausen zeigt Nadine Karl, die an der Kunstakademie Düsseldorf bei Dominique Gonzalez-Foerster sowie bei Gregor Schneider studiert hat. Ein wesentliches Merkmal ihrer künstlerischen Praxis ist der multidimensionale Zugang über verschiedene Sinne und durch verschiedene Kunstformen.
MALEREI INTERNATIONAL
Isabelle Borges erzeugt Bildräume, die sich ausdehnen und zusammenziehen, ein visuelles Kontinuum von Spannung und Entspannung (Galerie Heike Strelow). Malerische Positionen spielen beim diesjährigen Saisonstart eine herausragende Rolle und die internationale sowie künstlerische Vielfalt lädt zu anregenden Entdeckungen ein. Bei einem Rundgang durch die Innenstadt kann man beispielsweise bei Jacky Strenz das künstlerische Schaffen der bulgarischen Künstlerin Martina Vacheva kennenlernen, die auf humorvolle und groteske Weise lokale Traditionen, Popkultur und gesellschaftliche Themen in ihren Bildern reflektiert. Heike Strelow zeigt farbintensive Werke von Isabelle Borges, einer brasilianischen Künstlerin mit Wohnsitz in Berlin. In ihnen verbinden sich Malerei, Geometrie, Sktruktur und Naturbeobachtung zu einem komplexen visuellen Gewebe. Mit seiner zweiten Soloausstellung eröffnet Manuel M. Romero die neuen Räume der FILIALE in der Stiftstrasse 9. Hier sieht man Gemälde, die sich in ihrer Struktur auf die besondere Architektur des Raumes beziehen. Mit Secundino Hernández zeigt auch die Galerie Bärbel Grässlin einen spanischen Maler. Es ist die 6. Einzelausstellung des Künstlers in Frankfurt, dessen Malerei Dynamik und Spontaneität mit formaler Kontrolle zu aufgeladenen Bildwelten vereint. Die Galerie Monica Ruppert präsentiert mit Dimitris Tzamouranis, der 2017 an der documenta 14 in Kassel teilgenommen hat, einen Maler, der bekannte Werke der Kunstgeschichte motivisch in die Gegenwalt überträgt. In der Galerie Raphael entführt der französische Maler Mickaël Doucet in seine imaginierten Räume. Im Westend bei Hübner & Hübner vergegenwärtigen vier Künstler aus Ghana durch ihre Malerei schwarze Identität und Lebensgefühl. Ihre Werke kombinieren vibrierende Farben und einen selbstverständlichen Umgang mit Ornamenten aus der eigenen Kultur mit Formen aus der klassischen westlichen Moderne.
MALEREI NATIONAL
In der Ausstellung „Ich erinnere mich nicht“ legt Sebastian Meschenmoser Rechenschaft über sein bisheriges künstlerisches Schaffen ab (Galerie Greulich). Die verschiedenen deutschen Kunstakademien und ihre Schwerpunkte spiegeln sich auch immer wieder in den Galerieausstellungen beim Saisonstart und geben so pointierte Einblicke in das aktuelle Kunstschaffen. Zeitgenössische malerische Positionen der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig findet man mit Hjördis Baacke und Jörg Ernert bei der Galerie Rothamel und unter dem Titel „Stille Tage“ mit den malerischen Papierarbeiten von Janosch Dannemann bei der Galerie Leuenroth. In einer neuen Werkserie von Arno Beck, der bei Markus Lüpertz und bei Eberhard Havekost an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat, sind bei Schierke Seinecke großformatige Acrylbilder auf Leinwand zu sehen, die stilistisch an die Tradition der Holzschnitte angelehnt sind, durch Bildmotivik und Airbrush-Technik jedoch ganz in der Gegenwart verortet sind. Sebastian Meschenmoser, der an der Kunsthochschule in Mainz studiert hat, legt in der Ausstellung „Ich erinnere mich nicht“ Rechenschaft über sein bisheriges künstlerisches Schaffen ab und interpretiert in den Gemälden verschiedene Phasen seines Oeuvres neu. Seine Zusammenarbeit mit der Galerie Greulich jährt sich dabei zum 20. Mal. Neue Bildwelten gegenständlicher Malerei stehen sich bei der E30 Gallery in den Positionen von Klara Landwehr (Kunstakademie Düsseldorf) und Noah Kauertz (Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft) gegenüber, während Benjamin Burkards Malerei (Universität Landau) bei der galerie mühlfeld + stohrer auf vielfältige Weise an die Kunstgeschichte anknüpft.
KUNST DES 20. JAHRHUNDERTS
Pierre Alechinsky und seine Freunde der internationalen Künstlergruppe CoBrA sind in DIE GALERIE zu sehen. Ergänzt wird die Mannigfaltigkeit der zeitgenössischen malerischen Positionen durch verschiedene Blicke auf das Kunstschaffen des letzten Jahrhunderts, das durch Malerei, Zeichnung und Druckgrafik sichtbar wird. DIE GALERIE widmet sich in einer Hommage an Pierre Alechinsky und seine Freunde der internationalen Künstlergruppe CoBrA mit ihrer gestisch-informellen Malerei. Mit „dessin et passion“ entführt die Gruppenausstellung um Pablo Picasso und Alexander Calder bei der Galerie Jörg Schuhmacher in das Paris der 1950er bis 1970er Jahre. Im Kunstraum Bernusstrasse ist mit dem druckgrafischen Werk von Werner Tübke, DDR-Künstler und Vertreter der Leipziger Schule, eine interessante Einzelposition der Nachkriegsmoderne zu sehen. Nicht weit davon entfernt, in Dresden, hat der 1901 geborene Theodor Rosenhauser mit seinem spätimpressionistisch-realistischen Malstil im Laufe seines langen Schaffens ein ganz eigenständiges Werk hinterlassen, das nun bei der Galerie Hanna Bekker vom Rath zu entdecken ist.
FOTOGRAFIE
Bei Sakhile&Me ist die autodidaktische Fotografin Ana Paula dos Santos zu sehen. Auch wenn das Medium der Malerei beim Saisonstart 2025 in einer vielfältigen künstlerischen Breite vertreten ist, ist Frankfurt mit den Kunstsammlungen und Ausstellungsaktivitäten von Kunststiftung DZ Bank und Deutsche Börse Photography Foundation, dem Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V (Plot Projects) und dem Fotografie Forum Frankfurt, bei dem aktuell eine Ausstellung von 26 japanischen Fotografinnen aus den 1950er Jahren bis heute zu sehen ist, nicht ohne Galerien mit fotografischen Positionen zu denken. Péter Nádas‘ Serien „Lichtgeschichte“ und „Neue Lichter“ bei Galerie—Peter—Sillem loten die Möglichkeiten und Grenzen der Fotografie aus; ihr Gegenstand ist einzig das Licht, wie es in Luft und Raum sichtbar wird. Ralf Peters verweist in seinen konzeptuellen Fotografien bei Bernhard Knaus Fine Art unter dem Titel „SWEETS and PARADISE“ auf die Ambivalenz zwischen natürlicher Schönheit und digitaler Perfektion. Die Fotografin Ana Paula dos Santos, deren Arbeit von ihrer Kindheit in Brasilien, ihrem Studium der Humangeografie und dekolonialen Theorien geprägt ist, lädt bei Sakhile&Me das Publikum dazu ein, den eigenen Blick zu hinterfragen.
SKULPTURAL UND RAUMGREIFEND
Die dänische Papierkünstlerin Silke Bonde untersucht in ihrer Arbeit die Beziehung des Menschen zur Natur (Schlieder Contemporary). Zwei- und dreidimensional bewegt sich das Werk des italienisch-slowakischen Künstlers Sandi Renko in der Frankfurter Westend Galerie zwischen OpArt, Knetik und geometrischer Abstraktion. Mit „demo-crazy“ verweisen künstlerische Positionen in der netter gallery auf Orte der Demokratie. Bei Kai Middendorf erschafft die Frankfurter Künstlerin Franziska Kneidl einen „Raum für Karl Kneidl“, ihren Vater, einen der einflussreichsten Bühnenbildner im deutschen Sprachraum, der zur Eröffnung auch anwesend sein wird. Mit „Corpus“ widmet sich die Galerie von Miller der Darstellung des Körpers in der afrikanischen Kunst, und der britische Bildhauer John Davies zieht in seiner Ausstellung bei ARTE GIANI inhaltliche Verbindungen von Menschen zu ihren Lebensräumen. Die dänische Künstlerin Silke Bonde untersucht in ihren zarten Papierarbeiten bei Schlieder Contemporary die Beziehung des Menschen zur Natur. Fein und fragil sind die Werke von Hitomi Uchikura, die die Japan Art – Galerie Friedrich Müller erstmals in ihren Räumlichkeiten präsentiert.
GRUPPENAUSSTELLUNGEN
Ganz aktuell zeichnet die Ukrainerin Molly Route „Wartime Graphics“ in Kiew (DER MIXER). Auch dieses Jahr zeigen mehrere Galerien Gruppenausstellungen, bei denen die künstlerischen Positionen miteinander in Austausch treten. Die Galerie Anita Beckers präsentiert mit der Ausstellung „Much love Anita“ eine Hommage an ihre Gründerin und würdigt damit ihr Lebenswerk. Gezeigt werden Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, mit denen sie in ihrer langen Laufbahn als Galeristin eng verbunden war. Zudem erinnert eine Fotowand an das Leben und Wirken von Anita Beckers, die als Mensch, Galeristin und Pionierin insbesondere der Videokunst fehlen wird. Die Galerie DER MIXER erinnert in ihrer Gruppenausstellung an das Kriegsende vor 80 Jahren und fragt, wie man heutzutage mit Themen wie Krieg, Gewalt und Ängsten umgeht. So zeichnet beispielsweise die Ukrainerin Molly Route „Wartime Graphics“ in Kiew. Die vielfältigen Möglichkeiten des Umgangs mit Papier machen sich bei der Galerie Maurer Dorthe Goeden, Andreas Kocks und Tilmann Zahn zunutze, indem sie die Grenzen des Materials ausloten.
JUBILÄEN
Zum 30-jährigen Jubiläum zeigt die Galerie Barbara von Stechow Werke des international renommierten Künstlers Heiner Meyer. Mit der Foto-Künstlerin Andrea Grützner und den Malerinnen Theresa Möller sowie Anna Nero und ihren Kunstwerken zwischen Figuration und Abstraktion feiert die Galerie Rundgænger ihr 10 jähriges Jubiläum. Zu ihrem 20-jährigen Jubiläum beginnt die CHRISTEL WAGNER GALERIE mit „Accrochage en 3 Sections“ eine dreiteilige Ausstellungsreihe mit Werken diverser Gattungen. Die Jubiläumsausstellung der Galerie AM PARK feiert 25 Jahre Galeriearbeit unter anderem mit Werken von Diego Rivera, Salvador Dalí und Eduardo Chillida. Figurative, von der Pop Art geprägte Malerei Heiner Meyers (Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) gibt es bei der Galerie Barbara von Stechow, die bereits ihr 30jähriges Jubiläum feiern kann.
GASTBEITRÄGE
Walter Dexel wandte sich 1925 vom Künstler- und Künstlerinnensubjekt ab und erforschte fortan konstruktivistisch gestaltete Gebrauchsgegenstände als „deutsches Handwerk“ (edition & galerie hoffmann / Galerie Eric Mouchet). Zum ersten Mal erweitern auch Galerien aus dem Umland mit Pop-Up Locations das künstlerische Angebot der Frankfurt Art Experience, so die SIGHT Galerie aus Offenbach mit einer Gruppenausstellung zum Thema „Das Unsichtbare im Sichtbaren“. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums „Das Neue Frankfurt“ beteiligt sich die edition & galerie hoffmann aus Friedberg gemeinsam mit der Pariser Galerie Eric Mouchet am Saisonstart und präsentiert in einer temporären Ausstellung am Goetheplatz 1 eine Auswahl von Arbeiten von Ella Bergmann-Michel, Ilse Bing, Walter Dexel und Robert Michel, vier Künstlerinnen und Künstlern, die sich in unterschiedlichen Funktionen an der Reform- und Stadtplanungsbewegung „Das Neue Frankfurt“ beteiligten. Die Galerie Mountains aus Berlin zeigt in der Fahrgasse Malerei der 2017 verstorbenen Martina Kügler, die an der Städelschule studiert hat.
OFFSPACES
„Wege von Farbe“ Ausstellung zum 90. Geburtstag mit Raimer Jochims und seinen Gästen Sabine Funke und Michael Kolod (AusstellungsHalle Schulstraße 1A). Wie immer bieten die teilnehmenden Offspaces noch einmal besondere Orte, die zur Kunstentdeckung einladen, sei es Raimer Jochims mit Gastkünstlerinnen und Gastkünstlern in der Ausstellungshalle Schulstrasse 1A, Sören Pürschel im Nebbienschen Gartenhaus in der Bockenheimer Anlage oder „Die verbotenen Bilder“ des Straßenkünstlers PENG in der Parfümerie im Bahnhofsviertel. Das Studio Michael Riedel hat den Maler Georg Thanner, der an der HfG in Offenbach sowie in Leipzig, Stockholm und Wien studiert hat, zu einer Einzelausstellung eingeladen. Als Gast präsentiert Provinz, Verlag und Galerie für Editionen aus Bochum und Berlin, im H8H.space neue Editionen der Frankfurter Kunstschaffenden Sandra Kranich, Jochem Hendricks und Anselm Baumann sowie weitere Werke aus dem Editionsprogramm.
HINTERGRUND
Der Saisonstart wird zum siebten Mal unter dem Dach der „Frankfurt Art Experience“ ausgerichtet, die von Tyrown Vincent initiiert wurde. Das Projekt wird durch die Stadt Frankfurt am Main gefördert. Als langjähriger Medienpartner steht Monopol der „Frankfurt Art Experience“ zur Seite. Die Frankfurt Art Experience wird realisiert durch die Urban Media Project GmbH & Co. KG. Seit 2022 übt das Büro darüber hinaus kommissarisch die Kommunikationsarbeit der aufgelösten „Interessengemeinschaft Galerien in Frankfurt“ aus.




