Wohnhaus Karl Schwend, München, 1933/34
Rufs architektonische Haltung ist bei seinem ersten Projekt noch nicht ausgeprägt. Obwohl er mit einem kubistischen Wohnhaus 1930 einen „Bauwelt“ Wettbewerb gewinnt, orientiert er sich bei den ersten Entwürfen zum Haus Schwend 1931 an seinen Lehrer German Bestelmeyer. Doch dann formt er es um zu einem radikal modernen Haus, Schwend lässt ihm freie Hand. Das Haus bekommt ein Flachdach, an der Stirnseite schlitzt er die Fassade auf, sodass das Treppenhaus sichtbar wird. Aber er verbindet die Moderne mit traditionellen Elementen, er lässt die Balkenköpfe der Zwischendecke sichtbar und formt als Eingang eine Rundbogentür. Das Haus Schwend war das erste Flachdachhaus in München und blieb es lange, da nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein Flachdach nicht mehr erlaubt war.
Hugo-Junkers-Siedlung, Grünwald, Hugo-Junkers-Straße 1–19, 1936
Die kleine Werkssiedlung für die leitenden Mitarbeiter der Münchner Junkerswerke besteht aus eingeschossigen, zehn mal zehn Meter großen Wohnhäusern mit sieben Meter hohen Giebeln, die sich gestaffelt mit einer Mauer verbunden aneinanderreihen. Statt der für Sep Ruf typischen schlanken Fenster bestimmen horizontal gelagerte Öffnungen mit Brüstungen und Stürzen den Charakter der Häuser. Durch Vermeidung eines Dachüberstands vermitteln sie dennoch eine gewisse Modernität. Zu jedem Haus gehörten einst ein Wirtschafts- und ein mit einer Pergola gedeckter Sonnenhof. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage schwer beschädigt und 1946 von Sep Ruf wiederaufgebaut. Die Bewohner der Hugo-Junker-Siedlung, teilweise wohnen sie dort in der dritten Generation, verstehen sich nach wie vor als Einheit, wie die durch Pergolen verbundenen Wohnhäuser zueinander.

Bayerische Staatsbank (heute Heimatministerium), Nürnberg 1950/51
Nürnbergs Altstadt war nach dem Krieg zu 90 Prozent zerstört. Auch das Stammhaus der Bayerischen Staatsbank, am Lorenzer Platz, gegenüber der St. Lorenz Kirche war bis auf das Untergeschoss mit den Tresorräumen zerstört. Ruf gewann den 1950 ausgeschriebenen Wettbewerb und schuf mit dem Wiederaufbau des Gebäudes ein wegweisendes Zeichen, wie moderne Architektur in einem historischen Kontext eingepasst werden kann. Wie bei der neuen Maxburg konzipiert er zwar ein modernes Gebäude, jedoch keinen artfremden Solitär. Er passt sein Gebäude dem historischen Umfeld an. Hier verwendet er den Sandstein der St. Lorenz. Ansonsten schafft er im Inneren, als Kernstück, eine weiträumige, unter einer Glasdecke lichtdurchflutete 30 mal 40 Meter große Schalterhalle. Die Fassade klar strukturiert und aufgeschlitzt mit langen Fensterbändern.
Wohnhochhaus, München, Theresienstraße 46 – 48, 1950/51
Mit dem Wohn- und Geschäftshaus an der Theresienstraße setzte Sep Ruf nicht nur ein markantes Zeichen für einen modernen Wiederaufbau Münchens, sondern auch für eine neue Form des Wohnens, denn die Bebauung stand im Gegensatz zur Masse des damaligen sozialen Wohnungsbaus sowie der weitgehend konservativen Münchner Nachkriegsarchitektur. Die schmale, von der Grundstücksgrenze zurückgesetzte Wohnscheibe mit Läden im Erdgeschoss und 42 als Dreispänner nach Süden orientierten Wohnungen blieb mit acht Geschossen knapp unter der Hochhausgrenze. Trotz ihrer geringen Grundfläche von 51 bis 68 Quadratmetern wirken die Wohnungen aufgrund der verglasten Südseite mit den elegant proportionierten Fenstertüren und des durchlaufenden grazilen Balkons großzügig, hell und luftig. Das Gebäude errichtete Ruf für den Nürnberger Verein zur Behebung der Wohnungsnot. Es war eines der ersten Wohnhäuser, das über die neue Form des selbstgenutzten Eigentums finanziert wurde.
Landhäuser am Tegernsee, Gmund, Wohnhaus Ludwig Erhard, Wohnhaus Sep Ruf, 1950–54
Am nördlichen Ufer des Tegernsees, am sogenannten Ackerberg baute Ruf an der höchsten Stelle mit schönstem Blick über den See und die Berge drei Bungalows. Für den damaligen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard ein Wochenenddomizil und ein Wohnhaus für sich. In der Mitte der beiden Häuser ein weiteres, etwas Kleineres für einen Nürnberger Verleger. Die Häuser waren der Gemeinde und den Bewohnern suspekt, da sie nicht der normalen bayerischen Bauform, mit Satteldach und Holzbalkonen entsprachen. Im Volksmund wurden sie die „Tankstellen“ genannt. Auch diese Häuser wirken durch die fließenden Übergänge zwischen innen und außen, zwischen Raum und Landschaft. Deckenhohe und sturzlose Fenster und Türen zur Seeseite hingewandt, sowie überstehende Dachplatten und die dünnen Stützen machen es zu typischen Ruf-Häusern.
Wohnhaus Habsburgerplatz, Franz-Joseph-Straße 26, München, 1951–54
Für die Westseite, der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bebauung am Habsburgerplatz legte Sep Ruf 1951 eine Planung für eine Neubebauung vor, die aber nicht vollständig umgesetzt wurde. Realisiert wurde das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Franz-Joseph-Straße für eine Bauherrengemeinschaft nach den Vorgaben des sozialen Wohnungsbaus. Die Anlage entstand kurze Zeit nach dem Wohnhaus an der Theresienstraße und ist gestalterisch vergleichbar. Das Gebäude ist in einer Schottenbauweise errichtet und hinter durchlaufenden Balkonen großflächig verglast. Rückseitig sind die Wohnungen über Laubengänge erschlossen. In der obersten Etage befand sich bis zum Umzug 1968 nach Grünwald das Architekturbüro von Sep Ruf. Auch das Wohnhaus an der Ecke Ainmillerstraße (1954/55) stammt von Ruf.


Die Neue Maxburg, München, 1952 – 57
Die an der Stelle, der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Herzog-Max-Burg errichtete Neue Maxburg ist eines der herausragenden Gebäude des Wiederaufbaus in Deutschland. Im Gegensatz zur ehemals in sich abgeschlossenen Anlage der Wittelsbacher aus dem 16. Jahrhundert mit Innenhöfen schufen Sep Ruf und Theo Pabst nach gewonnenem Wettbewerb eine offene Anlage für die Bürgerinnen und Bürger. Die Verbindung eines modernen, großzügigen Geschäfts- und Verwaltungsneubaus mit dem erhaltenen Turm der alten Herzog-Max-Burg aus der Spätrenaissance ist ein Musterbeispiel für eine harmonische Verbindung von Alt und Neu und für eine ebenso eigenständige wie auch kontextuelle moderne Architektur. Den Rhythmus der neuen Fassade entwickelten die Architekten aus den Proportionen des erhaltenen Turms. Im Westen akzentuierten sie die Anlage durch den rundum verglasten BMW-Ausstellungspavillon, im Osten bildet das Verwaltungsgebäude des Erzbischöflichen Ordinariats mit der wiederaufgebauten profanierten Karmeliterkirche den Abschluss der Neuen Maxburg.


Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, 1953 – 1976
Etwa zeitgleich zur Maxburg, erhielt Sep Ruf den Auftrag zum Wiederaufbau des Germanisches Nationalmuseum, eine Mamut Aufgabe, die ihn über 20 Jahre beschäftigt. Ein weiteres Mal wusste er sich mit kriegszerstörten Gebäuden auseinandersetzen. Insgesamt waren es 14 Bauabschnitte. Man kann Ruf hier nicht isoliert betrachten, das Ensemble besteht aus vier Epochen. Ältester Bestandteil ist das Kartäuserkloster aus dem späten 14ten Jahrhundert, gefolgt von den Gebäuden des 19ten Jahrhunderts, zwischen 1860 und 1920, die weitgehend vom Krieg zerstört wurden und von Ruf wieder aufgebaut wurden – die dritte Epoche. Ruf musste sich mit den Gebäuden seines Lehrers German Bestelmeyer auseinandersetzen. Bestelmeyer baute massiv, hohe Decken, dicke Wände. Ruf hat das komplett umgekehrt, Decken zum Greifen nahe, helle, lichtdurchflutete Räume, wie die Bibliothek, die bis heute eines der schönsten Gebäude Nürnbergs ist und nachts die hellerleuchtete Glasfassade zur Altstadt hinzeigt. Ähnlich der Südbau, mit der aufgeglasten Fassade, die zum großen Innenhof zeigt. Die großen Fensterscheiben waren seinerzeit ein Novum und haben weltweit für Aufsehen gesorgt, weil sie tatsächlich nur an der Betondecke hängen und über die runden Pfeiler davor abgelastet werden. Die Stahl Elemente an der Fassade halten die Scheiben nur in der Horizontalen.
Max-Planck-Institut, Föhringer Ring 6, München, 1955 – 60
1955 wurde das Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik von Göttingen nach München verlegt. Auf Wunsch des damaligen Leiters, des Nobelpreisträgers Werner Heisenberg, wurde sein Jugendfreund Sep Ruf beauftragt, für ihn ein modernes Forschungsinstitut zu bauen. Ruf gliederte die Funktionen baulich in einen langgestreckten Institutsbau mit großzügig verglasten Büros, eine weitgehend geschlossene
Experimentierhalle (1979/80 erweitert) und ein Hörsaalgebäude. Ein gläserner Gang, zu dem eine große Freitreppe führt, verbindet die Bauten. Ein kleines Wohnhaus und eine Kantine ergänzen die weitläufige, von dem Gartenarchitekten Alfred Reich gestaltete Grünanlage. In der Nachbarschaft des Instituts errichtete Ruf auch die privaten Wohnhäuser für Heisenberg und dessen Kollegen Ludwig Biermann (Rheinlandstraße 1 und Rohmederstraße 12).

Haus Helwig, Schwalmstadt-Treysa, 1957
Das an einem Hang gelegene zweigeschossige Haus baute Ruf für den Landmaschinenfabrikanten Wilhelm Helwig. Der zur Nordseite gerichtete Eingang ist eingeschossig. Erst auf der anderen Seite präsentiert sich das auf der Südseite komplett aufgeglaste Gebäude mit seinen zwei Geschossen. Im Inneren ein Atrium, das umschlossen von einem Flur Eingang und Wohnräume miteinander verbindet. Filigrane Deckenplatten, schlanke Stahlstützen, zarte Sprossengeländer und raumhohe Fenstertüren bestimmen den Charakter des Hauses. Betrachtet man den Kanzlerbungalow und das Haus Helwig aus der Vogelperspektive, zeigt sich, der Grundriss des Hauses Helwig in doppelter Ausführung ist der Kanzlerbungalow.
St. Johann von Capistran, Gotthelfstraße 5, München, 1957 – 60
Die katholische Pfarrkirche zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten der Nachkriegszeit in Deutschland. Noch vor dem II. Vatikanischen Konzil (1962–65) schuf Sep Ruf einen Zentralbau, bei dem sich die Gemeinde um den Altar versammelt. Durch eine Reduktion der Formen und Materialien sowie eine konzentrierte Lichtführung entstand eine einzigartige Raumwirkung. Der 12,5 Meter hohe, fensterlose Rundbau aus Sichtmauerwerk mit einem exzentrisch eingeschobenen zweiten Mauerring wird von einer 4,5 Meter auskragenden Stahlfachwerkkonstruktion mit innerem Druckring stützenfrei überspannt. Ein Lichtband trennt den Baukörper vom Dach, sodass im Inneren die mit Holzleisten verkleidete Decke zu schweben scheint. Das Licht fällt durch eine fünf Meter große Lichtkuppel auf den von Ruf aus Nagelfluh-Blöcken gestalteten Altar. Dieser ist mit den wichtigen liturgischen Stationen auf einer West-Ost-Achse angeordnet, sodass sich die traditionelle Wegekirche mit der Zentralkirche verbindet. Vor der Kirche verweist eine Granitskulptur des Bildhauers Josef Henselmann auf den Namenspatron der Kirche, Johann von Capistranus. Eine drei Meter hohe Ziegelmauer leitet im Norden weiter zum Pfarrsaal und im Süden zu der 17 Meter hohen Glockenwand aus Sichtbeton. Dahinter liegt der Pfarrhof mit einem eingeschossigen Nebengebäude.

Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung (mit Egon Eiermann), Brüssel, 1958, mit Ende der Weltausstellung abgetragen
Die Pavillons in Brüssel sind der erste Auftritt der jungen Bundes-republik nach dem zweiten Weltkrieg. Die beiden herausragenden Architekten des Wiederaufbaus Ruf und Eiermann haben ihn zusammen geplant. Das Konzept der Pavillons ist eindeutig von Ruf und nimmt Bezug zu den Bauten der Akademie in Nürnberg – Reihen von unterschiedlich großen Pavillons, verbunden mit offenen Stegen, angelegt wie eine Perlenkette. An Filigranität kaum zu übertreffen, scheinen die Gebäude zu schweben, wirken mit Transparenz und Leichtigkeit. Nach Albert Speers Gebäude zur Weltausstellung in Paris, im Jahr 1937, mit der Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis, stellten die Brüsseler Pavillons das Gegenteil da und nahmen Bezug zu Mies van der Rohes Pavillon von 1929 in Barcelona. Es ist für beide Architekten der Höhepunkt ihrer Karriere. International hochgelobt, werden die Gebäude in Deutschland in der Presse zuerst einmal kritisiert. Aber das Blatt wendet sich und kurz danach werden sie auch „zuhause“ als Meisterwerk wahrgenommen.

Kanzlerbungalow, Bonn, (heute Stiftung HdG Bonn), 1963/64
Durch seinen Kontakt zu Ludwig Erhard wurde Sep Ruf mit dem Bau eines neuen Wohn- und Amtssitzes für den Bundeskanzler beauftragt und das bereits vor Erhards anstehender Kanzlerschaft. Ruf plante zwei zueinander versetzte Atriumhäuser, mit den Funktionen „Wohnen“ und „Begegnen“. Der etwas größere und auch höhere Gebäudetrakt war für politische Empfänge konzipiert, der etwas Kleinere war der Wohnsitz des Kanzlers. Auch hier sind die Übergänge von Innen nach Außen durch die großen Glasfronten fließend und über den großen Park zum Wasser hingerichtet. Bis zum Regierungsumzug nach Berlin, blieb der Bungalow der Amts- und Repräsentationsitz des Kanzlers. Helmut Kohl war der letzte von fünf Bundeskanzlern, die den Bungalow bewohnten. Konrad Adenauer bezeichnete den Bungalow als „ein Haus, in dem niemand wohnen könne, er wisse nicht welcher Architekt den Bungalow gebaut hat, aber er verdiene zehn Jahre“. Ludwig Erhard sagte über seinen Bungalow, „wenn Sie mich und meine Politik besser verstehen wollen, dann schauen Sie sich dieses Gebäude an, es erzählt mehr über meine politische Gesinnung, als wenn sie mich eine politische Rede halten hören.“

Bürosiedlung Tucherpark, Am Tucherpark, München, 1968 – 85
Wo sich einst die Tivoli-Kunstmühle befand, entstand im Auftrag der Bayerischen Vereinsbank am Rande des Englischen Gartens ab 1968 die Bürosiedlung Tucherpark, benannt nach dem damaligen Vorstandssprecher Hans Christoph Freiherr von Tucher. Sep Ruf übernahm die Gesamtplanung für das durchgrünte Gelände, durch das der Eisbach fließt. Im Süden errichtete er das Technische Zentrum und das Verwaltungsgebäude Ost der Bayerischen Vereinsbank, im Norden das IBM-Gebäude und dazwischen das 15-stöckige Hilton-Hotel (mit Curtis and Davis, New Orleans). Auf der gegenüberliegenden Seite des Eisbachs sah Ruf weitere Pavillonbauten vor. Uwe Kiessler schuf hier in den Jahren 1971 bis 1976 den Verwaltungsbau für die Bayerische Rückversicherung, der sich aus drei zusammenhängenden, kreisförmigen Stahlbetonskelettbauten und einem freistehenden Rundbau zusammensetzt (1988–90 aufgestockt). Die Anlage wird von Kunstwerken geschmückt, darunter die Bronzeplastik „Zeichen 74“ von Bernhard Heiliger, die auf einer Plattform über dem Eisbach zu schweben scheint, und die „Zwillingsplastik“ von Isamu Noguchi beim Technischen Zentrum.
Häuser im Chianti, Italien, 1969 – 1982
Kurz nach der Weltausstellung in Brüssel fahren die Freunde Ruf und Eiermann zusammen auf eine Reise nach Griechenland. Dort infiziert sich Ruf mit Kinderlähmung. Die Krankheit macht ihm im Laufe seines Lebens immer mehr Schwierigkeiten. Um mehr Ruhe und Wärme zu haben, erwirbt er eine über 300 Jahre alte Poststation, die Querce Sola, die er für seine Bedürfnisse aus- und umbaut. Die Struktur des Hauses bleibt im Prinzip erhalten, er öffnet lediglich die Fenster, in der Weise, dass er sie nach unten zu langen Schlitzen verlängert. Freunde von Ruf, die ebenfalls im Chianti alte Häuser kaufen, unterstützt er in der Sanierung und formt sie auf ähnliche Weise um, ohne den Charakter der Rusticos zu verändern.
Siehe auch: SEP RUF – ARCHITEKT DER MODERNE – kulturexpress.info
Siehe auch: Irene Meisner (Sep Ruf Gesellschaft) über Sep Ruf – kulturexpress.info

