
Kinostart ab 30. April 2026: FRIENDLY FIRE ist ein familiärer Film des großen österreichischen Dichters Erich Fried von seinem Sohn Klaus Fried. Der Film will zugleich Hommage sein, eine Reise durch ein Jahrhundert Geschichte, die uns immer wieder zu den Perspektiven des vor den Nazis von Wien nach London geflohenen deutschsprachigen Exilliteraten Erich Fried führt. Der Film bietet eine Aufarbeitung vergangener Jahrzehnte bundesrepublikanischer Geschichte mit dem Blickwinkel der Versöhnung einer sich immer wiederkehrenden und gleichbleibenden Problematik, in der sich rechte wie linke Propagandisten bekämpfen und gegenseitig aufputschen. Diese Auseinandersetzungen können auf Dauer von großem Übel sein, wenn die Gesellschaft die in ihr innewohnende Mitte zu sich selbst allmählich verliert. Dann werden Helfer wie Erich Fried tätig, denn er ist ein Sprachverwandler, indem er neue Wörter aus dem vorhandenen Wortschatz kreiert, sie in seinen Kontext setzt, um die Welt sprachlich umzukehren in eine „Verkehrte Welt“, in sie hineinzuhorchen, um durch rhetorische Widersprüche auf den Asphalt der Linearität zurückzukehren.
Zu Hilfe kommt ihm dabei seine österreichische Herkunft und sein sprachliches Vermögen als Mittel der Verständigung, was nicht zuletzt auf einer vehementen wenn auch eigenständigen Deutschsprachlichkeit beruht. Der Film ist insgesamt internationaler, er berichtet aus dem Exil und aus Amerika genauso wie aus Österreich und aus England, der Exilheimat des Dichters und der Heimat seines Sohnes. Berichtet über Ost und West während des Kalten Krieges und verhält sich dabei wie ein Vertrauter, der auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs willkommen war.
Zahlreiche Familienmitglieder kommen zu Wort, die entweder Interviews geben oder während des gemeinsamen Beisammenseins aufgenommen wurden. Was im Film nicht gleich ersichtlich ist, welchen Datums diese Aufnahmen der vorkommenden Personen aus dem häuslichen Umfeld sind, entweder entstanden sie zu Lebzeiten Erich Frieds und waren Zeitgenossen oder sie entstanden erst im Zuge der Filmarbeiten.
Fast 30 Jahre nach seinem Tod, darf man sich fragen, was hätte der große Europäer Erich Fried, der von London aus die Welt beobachtete und kommentierte, zu unserer heutigen Welt zu sagen? Zum Populismus, zum wieder Erstarken von Rassismus und Faschismus, zur Cancel Culture, zu Gaza und Israel? Vermutlich hätte Erich Fried versucht die zerrissenen Fäden wieder aufzuheben, versucht die abgebrochenen Gespräche wieder in Gang zu bringen. Das ist die Behauptung, die der Filmemacher Klaus Fried in den Raum stellt. Mit dem Film wurde ein Zeitpunkt für eine Hommage an den Brückenbauer Erich Fried getroffen, die mitten in die Krise fällt und bei der man fragen kann, sind das nicht alte und überholte Mechanismen, die vielmehr eine verkrustete und veraltete Weltsicht zeigen. Mittlerweile haben wir doch neue Formen der Konfrontation, die ein Umdenken erfordern oder eben an einem Festhalten, was an Freiheiten schon erreicht wurde und was nicht gleich wieder obsolet gehen darf. R.M.
Zur Filmwebsite: FRIENDLY FIRE – ERICH FRIED
Produktionsland/ -jahr: Deutschland, Österreich 2025; Format: DCP, Farbe; Spieldauer: 109 min. Originalfassung: Deutsch, Englisch / Untertitel: Deutsch; Verleih: Film Kino Text;
Erich Fried zählt zu einer der meistgelesenen deutschsprachigen Dichtern bis in die Gegenwart. Seine Lebensumstände sind die eines traumatisierten, hochgebildeten und empathischen Unruhestifters, der einen fast pathologischen Drang zur Versöhnung mit extremen politischen Überzeugungen hatte, von RAF bis hin zu Neo-Nazi Michael Kühnen.
| HINTER DER KAMERA | |
| Regisseur | KLAUS FRIED |
| Realisation, Montage und Sounddesign | JULIA ALBRECHT |
| Bildgestaltung | RALF ILGENFRITZ |
| Zusatzkamera und Ton | MATTHIAS KREITSCHMANN |
| Kamera USA | RENÉ JUNG |
| Beratung und Recherche | JUDITH WIESER-HUBER |
| Tonschnitt und Mischung | RALF ILGENFRITZ |
| Colorist | DENNIS MÜNCH |
| Produktionsleitung rbb | CORINNA VOLKMANN, PHILIPP MAYER, CHIARA |
| Produktionsleitung | CORINNA VOLKMANN, PHILIPP MAYER, CHIARA STRAKA, MARION SCHIRRMACHER und SARAH VIANNEY |
| Filmbuchhaltung | HEIKO HOBOHM |
| Postproduktion | WERNER BEDNARZ |
| Redaktion | JENS STUBENRAUCH und ROLF BERGMANN |
| Produzenten | GUNTER HANFGARN und RALPH WIESER und ANDREA UFER |
FRIENDLY FIRE ist eine Produktion von HANFGARN & UFER und MISCHIEF FILMS. Ein Film von Klaus Fried realisiert von Julias Albrecht in Zusammenarbeit mit NATIONALFONDS DER REPUBLIK ÖSTERREICH FÜR OPFER DES NATIONALSOZIALISMUS und KULTURABTEILUNG DER STADT WIEN und ZUKUNFTSFONDS DER REPUBLIK ÖSTERREICH im Auftrag von RUNDFUNK BERLIN BRANDENBURG und WESTDEUTSCHER RUNDFUNK

