Kinostart ab 11. Juni 2026: Der Film gewährt einen intimen Blick in die Arbeitsprozesse des Ensembles und macht Musik als kollektiven, körperlichen Prozess erfahrbar. Der Film eröffnet einen unmittelbaren Zugang zur Arbeit des Ensemble Modern und begleitet die Musiker:innen nicht nur auf der Bühne, sondern vor allem in den Proben – dorthin, wo Musik entsteht. In konzentrierten Arbeitsprozessen wird hörbar, wie sich eine gemeinsame musikalische Sprache formt: durch Suchen, Verwerfen und erneutes Annähern.

Das ENSEMBLE MODERN hat zur Zeit seinen Sitz nahe der Hanauer Landstraße in Frankfurt in einem großen Haus, das wie geschaffen dafür zu sein scheint, um für die Aktivitäten in einem großen Ensemble den klanglichen Wirkungsraum zu bieten. Ein Ensemble, das permanent auf der Suche ist, um Türen der Veränderung zu öffnen, dazu bereit, neue und andersartige musikalische Wege zu gehen. Hierfür ist viel Teamarbeit notwendig. Doch für Zusammenarbeit steht das ENSEMBLE MODERN in besonderer Weise. Es strahlt diesen Wert, vielleicht unbewusst, auf seine Umgebung aus. Frankfurt wird von unterschiedlichsten Interessen immer wieder zerpflückt, wie jemand der nach Halt sucht und eine Art Rückgrat braucht. Das Bedürfnis der Frankfurter und besonders der Frankfurterinnen war stets mit der Suche nach dem besonderen musikalischen Erlebnis verquickt. Das ist schon seit Jahrhunderten so gewesen. Der Schriftsteller Alfons Paquet gibt in seiner Erzählung „Die Frankfurterin“ einfühlsam Einblicke in dieses besondere Bedürfnis des Frankfurters nach mehr Aufmerksamkeit für das Spektakuläre im öffentlichen Raum.
Wenn große Musiker und Interpreten in die Stadt kommen und vielleicht sogar bleiben wollen, so sind sie willkommen! In einer von innerlicher Hektik zerriebenen Großstadt, neuartige Klänge auf die Bühne bringen, mit Überraschungseffekten aufwarten und gezielt mit bekannten Erwartungsmustern brechen. Das ist Aufgabe des ENSEMBLE MODERN, das einzig dazu in der Lage ist und vor Publikum bestehen kann. Der Weg war mühsam und mit viel Kleinarbeit verknüpft, bis erste Erfolge der unermüdlichen Bühnenarbeit sichtbar geworden sind. Dieser Erfolg der langjährigen Zusammenarbeit darf dem ENSEMBLE MODERN nicht mehr ohne weiteres weggenommen werden. Deshalb wird viel Zuspruch notwendig sein, der auf Zuwachs setzt, wenn es um aktuelle Förderprojekte und Finanzierungen geht, die in Zusammenhang mit der kulturellen Weiterentwicklung im urbanen Raum wie auch in Frankfurt stehen.
Der Film versucht gar nicht erst auf solche Engpässe hinzuweisen, sondern präsentiert ENSEMBLE MODERN als stabiles Gebilde, das aus einzelnen Musikerpersönlichkeiten besteht, die im Laufe des Films vorgestellt werden und selbst zu Worte kommen dürfen, um über sich und ihre Arbeit beinahe wie aus einer inneren Schau heraus aus dem Ensemble berichten. Das geschieht überwiegend in Interviews, die aber nicht statisch wirken, sondern dynamisch agieren gleich einem Resonanzkörper, der gerade dabei ist in Schwingung zu geraten. Wie ein kausal klingender Zusammenschluss, der es nicht für nötig hält, weiter nach rechts oder nach links zu schauen. Der Wert liegt in seiner Produktivität. Welche Instrumente sind im Haus, wie können Töne evoziert werden. Über welches Repertoire verfügt der oder die einzelne Musikerin. Nicht zuletzt bestimmt der Gesang, den eine Interpretin mitbringt, und welches Vibrato sie bis zur Aufführung haben kann für das Lied, das sie auf Japanisch singen soll. Im Film wird bis zu seiner Aufführung auf der Bühne auch dieses Gesangsstück wenigstens ausschnittweise präsentiert. Natürlich gibt es Praktikanten wie andernorts auch, die zu Ausbildungszwecken regelmäßig die Arbeit des Ensembles unterstützen und an einer kontinuierlichen Fortsetzung des Programms mit beteiligt sind. Letztes im Ensemble verbliebenes Gründungsmitglied aus dem Jahre 1980 ist übrigens der Flötist, Dietmar Wiesner, der ebenfalls im Film vorkommt, genau wie sein Kollege, Uwe Dierksen, der Posaunist im ENSEMBLE MODERN war. Der Film endet, indem ein konzeptionell durchdachtes Konzert mit lautstarken Beifallsovationen aus dem Publikum abschließend belohnt wird. Was bleibt, ist ein ästhetisch gelungener Filmabend, der interessierte Zuschauer wie Fans beeindrucken wird. R.M.
Filmwebsite: ENSEMBLE MODERN – WHY WE PLAY, der Film im Arsenal Filmverleih – Jetzt im Kino
ENSEMBLE MODERN wurde 1980 gegründet und vereint etwa 20 Solistinnen und Solisten aus unterschiedlichen Ländern, die ihre künstlerische Arbeit basisdemokratisch organisieren und gemeinsam über alle Projekte entscheiden. Das Ensemble zeichnet sich durch eine besondere Arbeitsweise aus, die auf gemeinsamer Verantwortung gründet: Die Musiker:innen entwickeln und tragen selbst Programme, Projekte und Kooperationen. So entstehen kontinuierlich neue Werke und Ausdrucksformen in enger Zusammenarbeit mit Komponist:innen. Das ENSEMBLE MODERN hat einen erheblichen Einfluss auf die internationale Entwicklung der Neuen Musik, mit etwa 100 Konzerten pro Jahr und rund 70 neu erarbeiteten Werken, darunter viele Uraufführungen. Sein Schaffen umfasst ein weites Spektrum, das von der Kammermusik über das Musiktheater bis hin zu interdisziplinären und multimedialen Formaten reicht.
Das ENSEMBLE MODERN sieht sich bei der Suche nach neuen Klangformen als einen dynamischen künstlerischen Organismus, der die Musik durch langfristige Kooperationen mit prägenden Komponist:innen und seine kontinuierliche Suche nach neuen Klangformen versteht. Somit versteht sich das ENSEMBLE MODERN als lebendiger künstlerischer Organismus, der die Musik der Gegenwart aktiv mitgestaltet.
PRODUKTIONSDETAILS
PRODUKTION AMA FILM GmbH
KOPRODUKTION Thorsten Schütte Filmproduktion
SENDER Südwestrundfunk (SWR)
FÖRDERUNG MFG Filmförderung Baden-Württemberg
BKM – Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
Deutscher Filmförderfonds (DFFF)
Hessen Film & Medien
FESTIVALS LICHTER Filmfest Frankfurt
DOK.fest München
FILMTEAM
BUCH & REGIE Thorsten Schütte
KAMERA Ebrahim Alfadhala, Maud Mascré, Thorsten Schütte
TON Markus Rebholz, David Almeida-Ribeiro
MONTAGE Willibald Wonneberger
SOUND DESIGN & MISCHUNG Andreas Radzuweit
PRODUKTIONSLEITUNG Bettina Morlock
PRODUZENTINNEN Andrea Roggon, Ulla Lehmann
KO-PRODUZENT Thorsten Schütte
PRODUKTION AMA FILM
IN KOPRODUKTION MIT Thorsten Schütte Filmproduktion, Südwestrundfunk (SWR)
TECHNISCHE DATEN
SPRACHE Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch
UNTERTITEL Deutsch / Englisch
PRODUKTIONSLAND Deutschland
FERTIGSTELLUNG April 2026
FORMAT 2K, Farbe
SEITENVERHÄLTNIS 1.85:1
ENDFORMAT DCP
LÄNGE 104 Minuten
Regiestatement
Experimentier- und Spielfreude, Mut, Hingabe, handwerkliche Präzision und Virtuosität – all das verkörpert für mich das Ensemble Modern. Mich interessiert die kreative Energie, mit der dieses Kollektiv im Zusammenspiel von Instrument, Elektronik, Körper und Stimme immer wieder neue klangliche und performative Ausdrucksformen erschließt. Mit dem Film möchte ich diesen Prozess erfahrbar machen – und einen Zugang zur Vielfalt zeitgenössischer Kompositionen eröffnen, die das Ensemble Modern Tag für Tag zum Leben erweckt.
Regisseur Thorsten Schütte
Kurzvita: Thorsten Schütte ist seit mehr als dreißig Jahren als Autor, Regisseur und Produzent im Bereich Dokumentarfilm tätig. Seine Werke behandeln musikalische Themen, künstlerische Prozesse sowie sozialdokumentarische und postkoloniale Perspektiven und wurden auf Festivals weltweit wie Sundance, IDFA, Berlinale und San Sebastián Film Festival präsentiert. Thorsten Schütte, dessen Vita als Autor, Regisseur und Produzent dokumentiert ist, arbeitet seit mehr als dreißig Jahren im Bereich des Dokumentarfilms. Seine Arbeiten liegen im Spannungsfeld zwischen Musikfilm und gesellschaftspolitischem Dokumentarfilm und verknüpfen filmisches Erzählen mit historischen und sozialen Themen. Die Filme von Schütte wurden auf angesehenen Festivals weltweit präsentiert, darunter das Sundance Film Festival, IDFA – International Documentary Film Festival Amsterdam, San Sebastián Film Festival, Berlinale, Viennale, Tallinn Black Nights Film Festival, Sarajevo Film Festival und das International Film Festival Rio de Janeiro sowie viele andere.
Schütte wurde für seine Arbeiten, insbesondere seinen Film über Zappa, mehrfach ausgezeichnet, darunter u.a. mit dem Prix Abaltegi-Tabakalera beim San Sebastián Film Festival und dem Golden Athena Award beim Athens International Film Festival. Zu seinen bekanntesten Werken zählen EAT THAT QUESTION – FRANK ZAPPA IN HIS OWN WORDS (Arte France, SWR, Sony Pictures Classics) sowie NAMIBIA GENERATION X. Er produziert mit ENSEMBLE MODERN – WHY WE PLAY den ersten abendfüllenden Dokumentarfilm über das Ensemble Modern. Er beschäftigt sich in seiner Arbeit immer wieder mit Zivilgesellschaft, Gleichberechtigung und postkolonialen Perspektiven, vor allem im südlichen Afrika. Seine Filme und Projekte, wie LAND MATTERS und DWAAL NET ROND, thematisieren soziale Gerechtigkeit, kulturelles Erbe und Identität. Schütte ist seit 2010 Mitinitiator des internationalen Forschungs- und Ausstellungsprojekts STOLEN MOMENTS – Namibian Music History Untold, das sich der Rekonstruktion der unterdrückten Musikkultur während der Apartheid widmet. Unter anderem sind daraus eine internationale Ausstellung und eine umfassende Digitalisierung historischer Tonarchive in Kooperation mit der Namibian Broadcasting Corporation und dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland hervorgegangen. Schütte arbeitet seit 2002 an der Filmakademie Baden-Württemberg im Bereich Dokumentar- und Spielfilm.
Über das Ensemble Modern: www.ensemble-modern.com/de/ueber-uns/ensemble
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