„Erinnerungen, die das Bewusstsein fluten und den Schmerz bringen – doch als wie stark dieser empfunden wird, entscheidet man selbst.“
Das ist einer der Sätze in Per Pettersons Roman „Pferde stehlen“, der in 50 Sprachen millionenfach verkauft wurde. Es handelt sich um eines der erfolgreichsten norwegischen Bücher auf dem Gegenwartsmarkt. Der in den USA lebende norwegische Regisseur Hans Petter Moland hat es mit dem Schweden Stellan Skarsgård in der Rolle des alten Trond Sander, inmitten der atemberaubenden Gebirgs- und Flusslandschaft zwischen Norwegen und Schweden verfilmt. Ein Holzfällerfilm wie er im Buche steht, aber mit so viel Feingefühl erzählt wie nur möglich war. Eine Geschichte die dem Lauf der Hölzer durch die Wälder Norwegens folgt, hinab ins Tal am Fluss entlang von Norwegen bis nach Schweden. Eine unscheinbare Grenzregion zweier benachbarter Nationen, die doch so viel gemeinsam haben.

Bei seiner Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale 2019 wurde PFERDE STEHLEN mit dem Silbernen Bären für eine Herausragende Künstlerische Leistung (Kamera) ausgezeichnet. Bei den Amanda Awards auf dem Norwegischen Internationalen Filmfestival Haugesund erhielt der Film fünf Amandas: Bester Norwegischer Film, Beste Regie (Hans Petter Moland), Beste Kamera (Rasmus Videbæk), Beste Musik (Kaspar Kaae) und Bester Nebendarsteller (Bjørn Floberg).
Sicherlich ein lesenswerter Roman, der die norwegische Natur zur Grundlage hat und menschliche Beziehungsgeflechte fortschreibt. Frisch gefällte Baumstämme aus dem Wald werden bis zum nächsten fließenden Gewässer hinab ins Tal transportiert, um von dort aus in einem Rutsch nach Schweden gebracht zu werden. Das hätte ein Heimatfilm nicht besser darstellen können. Auch die akrobatischen Einsätze während sich Baumstämme im Wasser ineinander verhaken und nur durch menschlichen Einsatz wieder befreit werden, sind atemberaubende szenische Mittel, die zum Einsatz gelangen. Was dagegen schwer fällt und diesen Spielfilm manchmal auch schon wieder zu nachdenklich werden lässt, sind lange Kameraeinstellungen mit Nahaufnahmen der Darsteller in der Art von „Stillstands“. Mir scheint, als seien das Kinderkrankheiten innerhalb der Szenografie, deren sich die filmkünstlerisch schaffenden Skandinavier längst entledigt hätten. Das Klischee vom bösen Deutschen, der in Nazikleidung die Harmonie stört und das friedfertig einfältige Holzfällerleben in den Wäldern Norwegens unterbricht, ist aufschlussreich für den Zuschauer und hat sicherlich seine Berechtigung, um in dieser Form gespielt zu werden. Dem Film verhilft die Szene mit den Nazis auf Motorrädern zu einem Spannungsschub. Dennoch frage ich mich, zu welchem Ergebnis eine weitere Adaption des gleichen Stoffes bei einer Neuverfilmung kommen würde?
Die Vorführung in Originalsprache mit deutschen Untertiteln (OmU) war sehr eindrücklich, die Sprache klang sehr Schwedisch lastig, obwohl es sich um eine norwegische Produktion handelt. Wobei beide Sprachen ähnlich klingen, da viele Wörter und Ausdrücke gemeinsam sind. Auch Hauptdarsteller Stellan Skarsgård ist gebürtiger Schwede. Insofern ist „Pferde stehlen“ ein bilateraler Beitrag, der zum besseren Verständnis zwischen Nachbarn steht.
Zur Filmwebsite: Pferde stehlen Spieldauer: 122 Minuten FSK: ab 12 Jahren Verleih: weltkino Originaltitel: Ut og stjæle hester Herstellungsland u. Produktionsjahr: Norwegen 2019 Genre: Drama Sprachfassung: Deutsch od. OmU Format: DCP / Blu-ray Kinostart: 21. November 2019
CASTStellan Skarsgård Trond Sander Bjørn Floberg Lars Haug Tobias Santelmann Tronds Vater Jon Ranes Trond, 15 Jahre Danica Curcic Jons Mutter Pål Sverre Hagen Jons Vater CREWRegie Hans Petter Moland Produktion Turid Øversveen, Håkon Øverås Drehbuch Hans Petter Moland Koproduzenten Marie Gade Dennesen, Lizette Jonjic, Peter Possne Ausführende Produzenten Lene Korslund, Karin Julsrud, Axel Helgeland, Anders Kjærhauge, Håvard Gjerstad, Knut Ola Evensen Kamera Rasmus Vidbæk |
CREW Forts.Schnitt Jens Christian Fodstad, Nicolaj Monberg Regieassistenz Tom Beachman, Dominique Delany Casting Celine Engebrigtsen Produktionsleiter Vigdis Roset Szenenbild Jørgen Stangebye Larsen Musik Kaspar Kaae Ton Gisle Tveito Spezialeffekte Oleg Godickij, David Peter Kostüme Anne Pedersen Maske Dorte Pedersen, Egle Mikalauskaité-Griciené Herstellungsleitung Tessa Eggesbø Postproduktion Line Plougsbæk Produktionsfirma 4 ½ Fiksjon AS Koproduktion Helgeland Film, Zentropa, Zentropa Sweden, Nordisk Film, Film i Väst |


