DIE ZÄHMUNG DER BÄUME – TAMING THE GARDEN Regie: Salomé Jashi (Georgien) Surreale Machenschaften bringen pure Entfremdung und Erschütterung in die ländliche Umgebung Georgiens

Kinostart ab 02. Dezember 2021: Der ehemalige Premierminister von Georgien kauft alte bis zu 15 Stockwerke hohe Bäume entlang der georgischen Küste, um sie in seinen privaten Garten zu verpflanzen. Für den aufwendigen Transport der Bäume werden andere Bäume gefällt, Stromkabel verlegt und neue Straßen durch Mandarinenplantagen gelegt. Die dramatische Migration geschieht durch Bezahlung, die Folge sind vernarbte Dörfer und irritierte und entweihte Bewohner. Regisseurin Salomé Jashi begleitet diesen bizarren wie erschütternden Prozess. Sie vermittelt damit ein Bild der Lebensverhältnisse innerhalb einer ländlichen Bevölkerung an der äußersten Peripherie Europas. Der Film rückt den Begriff der Entwurzelung von seiner metaphorischen Bedeutung in eine bedrückende, greifbare und doch surreal anmutende Realität und wird zu einer Ode an die Rivalität zwischen Mensch und Natur.

Regie und Buch: Salomé Jashi

ProduzentInnen: Vadim Jendreyko, Erik

Winker, Martin Roelly, Salomé Jashi

Kamera: Goga Devdariani, Salomé Jashi

Editor: Chris Wright

Sound Design: Philippe Ciompi

Music Supervisor: Celia Stroom

Researcher: Tamara Mshvenieradze

Line Producer: Pascal Moor

Associate Producers: Hercli Bundi, Susanne

Guggenberger, Ümit Uludag, Anna Dziapshipa

World Sales: Syndicado Film Sales

Eine Koproduktion von: Mira Film, CORSO

Film, Sakdoc Film mit SRF und Radio

Bremen, in Zusammenarbeit mit ARTE und in

Zusammenarbeit mit YLE

Mit finanzieller Unterstützung von: Bundesamt

für Kultur Schweiz, Film- und Medienstiftung

NRW, Eurimages, Fachausschuss Film und

Medienkunst BS / BL, Georgian National Film

Center, IDFA Bertha Fund, Succès Passage

Antenne, SRG SSR

Zur Filmwebsite: tamingthegarden-film.com    Spieldauer: 90 Minuten

Filmposter

Mehrere Szenen zeigen einen alten Baum mit ausladender Krone, der auf einem eigens dafür gebauten Floß über das Meer schwimmt. Was sich nach einem surrealistischen Splin anhört, ist eines der betörendsten Bilder aus Salomé Jashis Filmerzählung „Taming the Garden“. Betörend und gleichzeitig ambivalent erscheinen die Aktionen, die unternommen werden um einen sonderbaren Umzug zu bewerkstelligen. Denn dieser Baumtransport ist Teil eines aberwitzigen Projekts. Ein steinreicher und politisch mächtiger Mann sammelt alte Bäume, die er ausgraben und in seinen Garten bringen lässt. Warum er das tut und was man davon halten soll, diskutieren die Beobachter kontrovers. Vielleicht tut er dies einfach, weil er sich ein so exzentrisches Hobby leisten kann?

So absurd die Verpflanzungen anmuten, so sehr sind sie Sinnbild für Macht, unverschämten Reichtum und Bezwingung der Natur. Die Mühen der Entwurzelung werden im Film deutlich sichtbar und sind unüberhörbar. Mit schwerem Gerät wird den Bäumen zu Leibe gerückt, die Straßen in die Berge müssen erst gebaut werden, jüngere Bäume werden gefällt, um den Transport zu ermöglichen. Das Holz ächzt, metallische Klänge mischen sich mit wildem Geschrei des Waldes. In all dem findet die Kamera den Ausdruck großer Schönheit und trotz aller Widrigkeiten einen Weg der Beschaulichkeit. Mit den alten Bäumen und deren Entwurzelung zeichnet sich ein unvergessliches Schauspiel ab, genauso wie in den Details der Rostflecken an den Transportfahrzeugen ein Spiegel der Gegenwart aufscheint, was schlussendlich im künstlich bewässerten Themenpark ein neues Wurzelbett finden soll. Wo sich die  Bäume von ihren Strapazen erholen oder eben auch nicht.  Über die Verwurzlung an ihrem neuen Platz berichtet der Film nicht näher, sondern zeigt nur auf, wo die zurechtgestutzten Gehölze in parkähnlicher Umgebung vielleicht Fuß fassen. 

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