FLUSS Regie: Timo Großpietsch (BRD) Dokumentarische Reise entlang der Elbe, funktionale Beschreibung eines langen Flusses anstatt romantisierender Verklärung

Kinostart ab 11. Juni 2026: Dokumentarische Reise entlang der Elbe, von ihrer Quelle im nebelverhangenen Riesengebirge bis zur breiten Mündung in die Nordsee, verläuft der mitteleuropäische Strom, der in Tschechien entspringt, Region um Region und zwei Nationen bis zu seiner Mündung im Norden.

Entwässert auf ihrem Weg weite Teile Ostdeutschlands und das nahezu gesamte von Mittelgebirgen umschlossene Böhmen. Im sagenumwobenen Riesengebirge, einer von Mythen und dem Geist Rübezahls durchdrungenen Landschaft, beginnt sie ihren Lauf. Ein schlichter Betonring markiert die Stelle, einem von Touristen besuchten Ort, an der die Quelle während ihres langen Verlaufs ihren Ausgang nimmt, wo die Elbe entspringt. Fließt sie auf ihrem Weg auch an Dresden vorüber.

Der Film nimmt den Zuschauer mit durch die tiefen, dunklen Gänge der Staudämme, überquert zahlreiche innerdeutsche Grenzen, führt zu Hochwassern und durch Umweltzerstörung gezeichnete Umgebungen bis hin zu den weiten Mündungsgebieten bei Cuxhaven. Jede der 28 Staustufen sind Zeugen der menschlichen Eingriffe. Sand und Kies werden dem Boden entrissen, Schiffe fahren mit überdimensionierten Fahrstühlen und gleiten durch die Nacht.

Der Regisseur Timo Großpietsch zeigt in beeindruckenden Bildern, wie der Fluss durch die Jahrhunderte vom Menschen geformt und genutzt wurde. Die bedeutenden Städte entlang der Elbe spielen diesmal nur eine Statistenrolle. Menschen sind hier wie bei den beiden Vorgängerfilmen STADT und LAND Verursacher. Großpietschs Kameraführung deckt zahlreiche Facetten menschlicher Einflüsse auf und präsentiert eine ungeschönte Darstellung der Realität.

Der Film nutzt seltenes Archivmaterial und verbindet dokumentarische Kameraarbeit mit klanglichen und musikalischen Skulpturen. Der renommierte Jazzpianist Vladyslav Sendecki hat hierfür einen eindringlichen Soundtrack komponiert und eingespielt. Die Symbiose von Bild und Ton schafft eine tiefgreifende, emotionale Resonanz, die lange nachhallt.

FLUSS wurde in Cinemascope mit anamorphotischen Objektiven gedreht und ist somit auch etwas für filmische Feinschmecker. Die visuelle Pracht und der außergewöhnliche Soundtrack verschmelzen zu einem Erlebnis, das die Beziehung zwischen Mensch und Fluss kritisch beleuchtet und die vermeintliche Natürlichkeit der Elbe in Frage stellt. FLUSS ist eine filmische Erkundung, die tief unter die Oberfläche der sichtbaren Realität dringt und die Spuren menschlicher Einflüsse offenlegt. Der Dokumentarfilmer Timo Großpietsch schließt mit FLUSS seine Trilogie STADT, LAND, FLUSS ab.

Buch, Regie, Kamera, Ton Timo Großpietsch Montage Martin Hüsges Klangregie | Mischung Michel Wähling Musik Vladyslav Sendecki Violine Ola Sendecki Perkussion Jürgen Spiegel Geräusche Martin Hüsges, Michel Wähling Drohne Sebastian Sievert, Matthias Kunz Farbkorrektur Christian Bolz Mitarbeit | Recherche | Ton Stephan Löhr Recherche Tschechien Iva Wolter Dramaturgische Beratung Olaf Jacobs Juristische Beratung Klaus Siekmann Technische Beratung Roberto Tossuti Rechteklärung Sonja Fiedler Faktencheck Andrea Böckmann, Ole Masch, Sabine Kuhn Redaktionsassistenz Nortrud Rolfs, Jessica Winter Verleih Realfiction, Joachim Kühn Produktionsleitung Bettina Wieselhuber Redaktion Marc Brasse, Christian von Brockhausen

Format: Cinemascope / 2,39:1: mit anamorphotischen Objektiven; Genre: Dokumentarfilm;  Spieldauer: 83 Minuten; Kinostart: 11. Juni 2026; Verleih: Real Fiction Filme

🎬 Premiere Filmkunstfest Schwerin

👉 Do, 07.05. · 15:30

👉 Sa, 09.05. · 14:00

👉 So, 10.05. · 19:45

Kinotour entlang der Elbe

👉 ab 11. Juni

📺 Mediathek & TV

👉 13. Oktober ganze Trilogie

📺 NDR Fernsehen:

👉 13. Oktober FLUSS

👉 20. Oktober STADT

👉 27. Oktober LAND

Filmwebsite: REALFICTIONFILME – Fluss

Ungewöhnliche Beigabe liefert das Making of… zum Film  von Stephan Löhr, eine rund 28minütige filmische Darstellung online abrufbar:

Der Film soll eine Trilogie dokumentarischen Inhalts beenden. Das Unterfangen des Regisseurs erinnert manchmal an die Aufmachungen eines Portfolios, das er im Namen eines Auftraggebers erstellt hat. Solche Filme werden oft als Ambient-Filme, Slow Cinema, Stimmungskino oder Visuelles Album bezeichnet. Sie leben von Atmosphäre, Bildgewalt und Ton, anstatt einer klassischen Erzählstruktur mit einem Plot zu folgen. Insbesondere die Begleitmusik des Films ist gelungen, sie übernimmt zeitweise sogar die Dominanz über den Film. Es sind jazzbetonte Klänge, die zur Dramatik des Films beitragen, die dem polnischen Jazz-Pianisten und Soundmixer Vladyslav Sendecki zu verdanken sind.

Bestenfalls liefert der Film neben seiner ausgefüllten Struktur ein Panorama über die Elbe, wobei gar nicht so sehr auf die Weite der Landschaften gesetzt wird, sondern die Sicht wie auf ein Getriebe fällt, das zu funktionieren hat. Es sind Aspekte des Heimatfilms, der aus der näheren Vergangenheit erzählt, als die Elbe noch Grenzfluss war und auf Booten zu Wasser patrouilliert wurde. Gezeigt werden jene Kraftwerke, die sich aus dem Wasser der Elbe speisen, um Strom zu produzieren oder für einen Hochofen der Metallverarbeitung Abkühlung liefern. Das wirkt manchmal so, als käme der Regisseur aus der Montanindustrie, der die Verteilung des Wassers zu verwalten hat, um eine zu heiß gelaufene Maschine wieder abzukühlen. Warum heißt der Film FLUSS und nicht nach dem Namen des Flusses: Elbe, sie ist schließlich Hauptthema des Films? Was ist ein solcher Fluss wert als lebenspendendes Organ? Fluss ist nur der Überbau, die Elbe jedoch bis zu ihrer Mündung in die Nordsee ein gewaltiger Strom geworden. R.M.

Siehe auch:  Interview mit Regisseur Timo Großpietsch – kulturexpress.info

Siehe auch:  Interviews mit Vladyslav Sendecki | Martin Hüsges und Marc Brasse – kulturexpress.info

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