Die Idee der Volksbühne ist historisch in der Bewegung für ein Theater für alle verwurzelt. Nicht allein ein privilegiertes Publikum sollte die Möglichkeit haben, Bühnenkunst zu erleben, sondern es ging darum, Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft für Theater zu begeistern und ihnen einen Zugang zu kulturellen Erfahrungen zu eröffnen.
Frankfurt bietet dafür ein besonders passendes Umfeld. Die Stadt blickt auf eine lange Tradition des bürgerlichen Engagements, des literarischen Austauschs und der gesellschaftlichen Debatte zurück. Der Große Hirschgraben ist zudem ein geschichtsträchtiger Standort: In unmittelbarer Nähe befindet sich das Goethe-Haus, der Geburtsort des berühmten Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Literatur, Geschichte und Theater begegnen sich hier auf engem Raum.

Die Volksbühne steht sinnbildlich für die Bedeutung lebendiger Bühnenkunst in einer Zeit, in der digitale Medien den Alltag zunehmend prägen. Theater schafft unmittelbare Begegnungen, regt zum Nachdenken an und eröffnet neue Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche Fragen. Es kann unterhalten, provozieren und Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Damit verkörpert die Frankfurter Volksbühne eine wichtige kulturelle Idee: Theater soll kein exklusives Vergnügen sein, sondern ein offener Raum für Austausch, Fantasie und gemeinsames Erleben. Im traditionsreichen Umfeld des Großen Hirschgrabens wird deutlich, wie eng Frankfurts kulturelles Erbe und das Streben nach einer zugänglichen, lebendigen Theaterkultur miteinander verbunden sind.
Die Volksbühne lädt auch gelegentlich zu unterhaltsamen Zeitreisen durch die bewegte Geschichte Frankfurts ein. In „Frankfort is kaa Lumpenest! – Ohne Forcht un Schreck durch die Frankfurter Historie“ führt Michael Quast nach einem Manuskript von Rainer Dachselt Neubürger, Geschichtsinteressierte und Frankfurt-Kenner in rund 90 Minuten durch die Vergangenheit der Mainmetropole. Von den Uranfängen über Kaiserwahlen und den Fettmilchaufstand bis zum Häuserkampf verbindet Quast fundiertes Wissen mit virtuoser Schauspielkunst, Dialogen und humorvollen Szenen. Auch das bekannte Lied „Fraa Rascher aus der Klappergass“ erklingt in einer unterhaltsamen Bearbeitung. So wird Geschichte zum lebendigen Theatererlebnis – informativ, pointiert und mit viel Frankfurter Lokalkolorit.

Einen weiteren Blick in die Vergangenheit bietet Mirco Becker mit „Damals in Frankfurt live“. Mit historischen Bildern, überraschenden Anekdoten und einem Augenzwinkern lässt er vergangene Zeiten wieder aufleben. Die Reise führt durch verwinkelte Altstadtgassen und über den Roßmarkt und beleuchtet Orte und Institutionen wie das Stadtbad Mitte, den Monte Scherbelino und das Kaufhaus Schneider. Dabei wird deutlich, wie sehr die Vergangenheit das heutige Stadtbild und das Leben der Frankfurterinnen und Frankfurter prägt.
Beide Veranstaltungen zeigen auf unterschiedliche Weise, dass Stadtgeschichte keineswegs trocken sein muss: Sie steckt voller spannender Geschichten, überraschender Wendungen und unterhaltsamer Momente. Ein Erlebnis für alle, die Frankfurt besser kennenlernen und seine Vergangenheit neu entdecken möchten.
Text: Barbara Altherr


